Kammermusik: Werke aus Barock und Neuzeit erklangen in der Schlosskirche

Sonate, Suite und Arie

Gaben Benefizkonzert zugunsten der Turmsanierung: Erika Umanez, Manfred und Margrit Stüer sowie Eva Wachter (von links). Foto: Rose

Ziegenhain. Ein kammermusikalisches Benefizkonzert zugunsten der Turmsanierung erlebten die Zuhörer am Samstagabend in der gut gefüllten Schlosskirche in Ziegenhain. Die Musiker Margrit und Manfred Stüer sowie Erika Umanez waren aus Hofgeismar in die Schwalm gereist, ihnen zur Seite stand Eva Wachter – sie hatte einst in Hofgeismar mit ihrer Stimmbildung begonnen.

Margrit Stüer war an der Blockflöte zu hören, ihr Mann Manfred am Cembalo. Violoncello spielte Erika Umanez. Im Fach Mezzosopran konzertierte Eva Wachter. Den Anfang machten die Musiker mit einem Werk des französischen Komponisten und Flötisten Jacques-Martin Hotteterre. Er entstammte einer Musiker- und Instrumentenbauer-Familie. Zu einem der wichtigsten Werke zählt Hotteterres Opus 1., das bereits 1707 die Grundlagen für das damals in Mode gekommene Spiel der Querflöte lieferte. Die Suite III intonierten die Musiker mit viel Gefühl und der nötigen Grandezza. Werke des französischen Komponisten und Organisten Francois Couperin lenkten die Aufmerksamkeit auf Cembalo und Violoncello – letzteres kam in der Bearbeitung von David Dunford hervorragend zur Geltung.

Einen Ausflug in den italienischen Frühbarock erlebten die Gäste mit Sonata von Tarquinio Merula. Ein Sprung in die Neuzeit wagte Margrit Stüer mit „Meditation“ des japanischen Komponisten Ryohei Hirose. Die experimentellen und bisweilen obskuren Klangwelten breiteten sich im kompletten Kirchenschiff aus. Hirose, gestorben 2008, komponierte zunächst überwiegend für japanische Instrumente wie etwa die japanische Bambusflöte.

Seit den 1970er-Jahren entstanden auch Kompositionen für europäische Instrumente: Harfe, Celesta, Klavier, Cello, Viola, Perkussionsinstrumente und andere, wobei Hirose japanische und europäische Musiktradition miteinander verband. Wohl bekanntere Klänge schlossen sich mit einer Sonata von Georg Friedrich Händel an, die vor allem durch fulminante Takt- und Tempowechsel beeindruckte.

Arie aus „Germanicus“

Georg Philipp Telemanns Arie der Agrippina aus der Oper „Germanicus“ verzauberte zum Abschluss die Zuhörer: Eva Wachter interpretierte „Komm o Schlaf“ mit zauberhafter Klarheit und stimmlicher Weite. Die Oper war lange bis auf wenige Arien verschollen. Vor einigen Jahren konnten ihr jedoch Arien einer Sammlung zugeordnet werden. Die Zuhörer waren überaus begeistert von der klaren Darbietung – und erklatschten sich eine Zugabe. Sicher verbunden mit der Hoffnung, diese schöne Stimme bald wieder zu hören.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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