Sonnenfinsternis: Beste Sicht vom Hohen Dörnberg

Wolfhager Land. Wer am Freitag im Wolfhager Land die Sonnenfinsternis beobachten wollte, hatte meist schlechte Karten: Nebel behinderte die Sicht. Aber es gab Ausnahmen.

Zierenberg. Ganz langsam schiebt sich der Mond vor die kräftig strahlende Sonne. Das Vogelgezwitscher wird merklich leiser, die Temperaturen sinken ab. Ausgerechnet jetzt zieht von Calden-Fürstenwald dicker Nebel rauf zum Dörnberg, auf dem sich zahlreiche Sonnenanbeter versammelt haben, um die partielle Sonnenfinsternis zu verfolgen.

Ralf Ritter ist extra aus Kassel gekommen, hat zwei Kameras dabei und ein Schweißerglas, durch das er am Freitagmorgen das seltene Naturschauspiel beobachten will. „Die speziellen Brillen waren überall ausverkauft, ich habe mehrere Optiker angerufen“, sagt der 59-Jährige, während er seine Kameras ausrichtet und hofft, dass der Nebel sich schnell wieder verzieht.

Brille von 1999 

Aus Kassel angereist: Mit Schweißerglas und zwei Kameras ausgestattet, genoss Ralf Ritter die Sonnenfinsternis auf dem Hohen Dörnberg bei Zierenberg. Foto:  Hoffmann

Beste Sicht genießt Doris Garnatz einige Meter weiter oben, direkt vorm Naturparkzentrum Habichtswald. Anders als Ritter hat sie eine Brille dabei, die für sie aber viel mehr ist als der reine Schutz vor den gefährlichen UV-Strahlen. „Ich habe sie seit der totalen Sonnenfinsternis 1999 aufbewahrt“, sagt sie. An die erinnert sie sich noch genau, war sie doch eigens mit ihrer Familie nach Süddeutschland gereist, um den magischen Moment zu erleben. „Ich werde nie vergessen, wie die Kühe bei eintretender Dunkelheit zum Tor gelaufen sind, weil sie offensichtlich erwartet haben, dass, wie an jedem Abend, der Bauer kommt.“ Noch heute bekomme sie Gänsehaut, wenn sie daran zurückdenkt.

„Spezielle Momente verlangen einen speziellen Ort, und genau ein solcher sind die Helfensteine.“ 

Diesmal herrscht in ihrer Kasseler Heimat allerdings die bessere Sicht, weshalb Andreas Trampenau aus dem südlichsten Schwarzwald auf den Dörnberg gereist ist. „Spezielle Momente verlangen einen speziellen Ort, und genau ein solcher sind die Helfensteine“, so der 51-Jährige, der im mystischen Spätvormittagslicht viel mehr sieht als ein reines Naturereignis. „Wenn man einmal astrologisch guckt, was das Ganze für einen Einfluss auf uns hat, dann wird einem die Besonderheit bewusst.“

Mehrere spezielle Dinge kämen hier zusammen - starke Sonneneruptionen mit seltenen Polarlichtern, die Sonnenfinsternis selbst sowie die Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche mit Mars und Widder: „Eine brisante Kombination“, so der Visionär, der im Alltag Menschen begleitet, die in ihrem Leben etwas Grundsätzliches verändern wollen. Nicht ganz so tief wollen die elfjährige Pia Tirann, Mutter Heike und Oma Anita Rohde ins Thema einsteigen, die den Vormittag lieber zum Familienevent werden lassen. „1999 waren wir auch hier, damals noch ohne Nachwuchs“, berichtet die Harleshäuserin Heike Tirann, die es sich mit ihren Liebsten bei Kaffee und Kuchen auf einer Decke gemütlich gemacht hat und durch ihre Schutzbrille zur drei Viertel verdeckten Sonne blickt.

Hinter ihr sichtet Ralf Ritter bereits seine ersten Fotos, während der Mond den Sonnenstrahlen ganz langsam wieder Platz macht. Er ist zufrieden, trotz aufziehenden Nebels.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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