Entwarnung: Rote Körner sind Getreide und kein Giftweizen

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Gefährlicher Fund: Leif Eric Burmeister entdeckte auf einem Feldweg gebeizte Körner (kleines Bild), die dort nicht hingehören.

Niedermöllrich. Leif Eric Burmeister und seine Oma Edit Bötefür sind viel im Freien unterwegs. Jetzt machte der Neunjährige zwischen Niedermöllrich und Niedervorschütz eine unschöne Entdeckung: Auf einem Feld fielen ihm tote Mäuse und ein offenbar angeschlagener Bussard auf.

Bötefür schaute nach und fand auf dem abgeernteten Kartoffelfeld viele rot eingefärbte Getreidekörner. Sie war sich sicher, es müsse sich um Giftweizen handeln, mit dem zum Beispiel Mäuse bekämpft werden. Inzwischen ist klar, dass die Körner kein Gift sind, sondern gegen Schimmelpilze behandelt – gebeizt – wurden.

Sorge um die Tiere

Die Frau aus Deute fürchtete nach dem Fund jedoch um die Gesundheit von Rehen und Wildschweinen, auch die Waberner Störche hätten es nicht weit gehabt zu dem Feld. Deswegen griff Bötefür zum Telefon.

Untere Naturschutzbehörde, Landwirtschaftsamt, Polizei – zunächst erklärte sich niemand für zuständig und verwies sie jeweils an den nächsten. Doch dann kam Bewegung in die Sache und sie landete beim Pflanzenschutzdienst des Regierungspräsidium Gießens in Wetzlar.

Dort wiederum wusste am Donnerstag auf HNA-Anfrage niemand Bescheid, was der zuständige Ansprechpartner in die Wege geleitet hatte. Er sei zwei Wochen lang nicht erreichbar, hieß es, und habe auch keine Vertretung.

Nach mehreren Nachfragen stellte sich heraus, dass der Vorgang doch wieder beim Landwirtschaftsamt in Fritzlar gelandet war. Dort war man auch aktiv geworden und hatte zwei Mitarbeiter auf das Feld geschickt. Sie gaben Entwarnung.

Die Körner seien gegen Steinbrand, Schneeschimmel und Flugbrand behandelt worden – das sind Pilze, die das Getreide schädigen, sagte Heinz-Dieter Ohm, Leiter des Amtes auf Anfrage der HNA. Die Ausbringung der rot gefärbten Körner sei eine normale landwirtschaftliche Vorgehensweise.

Körner sind gefährlich

Man habe ihn allerdings gebeten, die Körner, die auf dem Weg gelandet waren, zu beseitigen. Ungefährlich sind sie nämlich beileibe nicht. In den Tipps zur Anwendung wird stets darauf hingewiesen, man dürfe die Mittel Kindern und Tieren nicht zugänglich machen und solle Schutzkleidung inklusive Handschuhe tragen.

Leif Eric Burmeister, der die merkwürdigen Körner entdeckt hatte, will später einmal Landwirt werden und sorgt sich daher besonders um die Natur. Seine Oma sagt: „Er wollte ja immer Weltbeschützer sein.“

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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