Sozial engagiert: Anni Ullrich aus Spangenberg wird geehrt

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Symbol der Gemeinschaft: Für Anni Ullrich ist die Fahne der Schollenbewohner eine Erinnerung, die sie nie hergeben würde. Heute wird die 79-Jährige für ihren sozialen Einsatz in ihrem Wohnviertel geehrt. Foto:  Brandau

Spangenberg. Bürgermeister Peter Tigges könnte es sich tatsächlich aussuchen, wofür er Anni Ullrich am Donnerstagabend ehrt. Denn Gründe dafür, dass die Stadt Spangenberg die 79-Jährige auszeichnet, gibt es wirklich genug. 

Sie ist seit bald sechs Jahrzehnten der gute Geist der „Scholle“, jenes Quartiers, das zwischen Heinrich-von-Stein-Straße, Berliner Straße und Kirchwiesenbogen liegt.

Die Scholle, sagt die ehemalige Melsungerin Anni Ullrich, war ihr vom ersten Tag an Heimat. Und dieser erste Tag war der, als ihr Mann Paul sie an Weihnachten 1955 mit nach Hause nahm und die damals 20-Jährige seinen Eltern vorstellte. Schon damals, sagt Anni Ullrich, habe sie gewusst, dass sie auf der Scholle ihre Heimat gefunden habe, sagt sie.

Und für diese Heimat hat sie sich beinahe 60 Jahre lang unermüdlich eingesetzt: Hat Fahrten, Weihnachtsfeiern und Wanderungen organisiert, hat die vielen Kinder in der Nachbarschaft betreut und beschäftigt, hat alles daran gesetzt, dass in der Siedlung eine große gute Gemeinschaft herrschte. „Anni Ullrich hat sich unermüdlich für die Scholle engagiert“, sagt Bürgermeister Tigges. Und er muss es wissen, denn Anni Ullrich ist sozusagen seine Amtskollegin: Die 79-Jährige trägt seit vielen Jahren den Titel „Schollenbürgermeisterin“. Den will sie nach der Ehrung heute abgeben: Es war über eine lange Zeit eine Würde, aber heute, mit 79, ist es ihr doch eine Bürde.

Aber Anni Ullrich denkt voller Dankbarkeit an jene Zeiten zurück, in denen die Bewohner der Scholle an Sommerabenden oft unter der Linde zusammensaßen oder mit dem Handwagen voller Bratwurst und Bier nach Schnellrode wanderten.

Aber die Zeiten waren nicht nur leicht. Ausgerechnet sie, die Kinder über alles liebt, verlor 1976 den ältesten Sohn Bernd bei einem Verkehrsunfall. Ein Unglück, das sie noch heute beweint.

Doch Anni und Paul Ullrich haben mit Sohn Klaus und Tochter Barbara zwei weitere Kinder, Enkel und sogar auch schon zwei Urenkel. Auch das sind viele gute Gründe, dankbar zu sein. Leicht fällt das nicht immer - sie ist schwer erkrankt, es steht nicht zum Besten mit ihrer Gesundheit. Umso wichtiger ist ihr der liebevolle Blick zurück auf die Jahre, in denen alles, aber auch wirklich alles gut auf der Scholle war. „Das waren wunderbare Zeiten - auf den Straßen war Leben, unser Haus voller Kinder.“

Am Donnerstagabend wird der Bürgermeister Anni Ullrich im Spangenberger Rathaus ehren. Er weiß genau wofür: Peter Tigges war selbst einmal eines der vielen Kinder, die bei der „Tante Ullrich“ auf der Küchenbank saßen. „Sie hat ein großes Herz“, sagt er. Noch mehr Gründe für eine Ehrung braucht man nun wirklich nicht.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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