Großfamilie obdachlos, Hund tot, Haus einsturzgefährdet

Nach Feuer in Spangenberg: Ein tragischer Fall

Spangenberg. Ihr Haus ist komplett zerstört: Das Feuer, das am Dienstag in der Spangenberger Innenstadt ausbrach, hat eine zwölfköpfige Familie obdachlos gemacht.

Die Eltern und zehn Kinder sollen nun vorerst von Nachbarn, der evangelischen Kirche und der Stadt Spangenberg beherbergt werden, sagt Bürgermeister Peter Tigges. "Wir bilden jetzt eine Kooperation - auch wenn wir einen solchen Fall noch nicht gehabt haben."

Der Fall ist ein tragischer. Die Patchworkfamilie, die mit zehn Kindern, drei Hunden, einer Schlange, vielen Fischen und Vögeln in der Langen Gasse am Marktplatz wohnte, hat kein Zuhause mehr.

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Das Feuer hat das Fachwerkhaus komplett zerstört. Nachdem die Löscharbeiten abgeschlossen waren, bestand akute Einsturzgefahr. Deshalb rückten am Nachmittag Mitarbeiter des THW an, um die durchweichten Decken abzustützen. Das Haus durfte nicht mehr betreten werden.

Deshalb gab es auch am Nachmittag noch keine Antwort auf die Frage, was denn aus den Tieren geworden war. Offenbar konnten nur zwei Hunde gerettet werden. Der dritte, ein Rottweiler, hatte eine Rauchgasvergiftung erlitten, er musste vom Tierarzt eingeschläfert werden.

Die Brandschützer standen in der schmalen Gasse vor einer großen Herausforderung. Dort stehen die Häuser dicht an dicht, es bestand Gefahr, dass die gesamte Gebäudereihe niederbrennen würde.

Noch am Nachmittag bekämpften die Feuerwehrleute die Glutnester, die immer wieder in Hohlräumen aufloderten. Nützlich dabei war vor allem die Wärmebildkamera, die die Spangenberger Wehren zufällig zurzeit als Vorführmodell nutzen dürfen.

In fünf Jahren muss die Liebenbachstadt die alte Drehleiter durch eine neue ersetzen. Die Frage der Finanzierung ist wohl auch bis dahin noch lange nicht gelöst, eine Drehleiter ist nicht billig - sie kostet um die 900.000 Euro. Doch der Brand am Dienstag, bei dem zwei Menschen mit der Drehleiter aus dem brennenden Haus gerettet wurden, habe gezeigt, wie ungeheuer wichtig die gute Ausrüstung der Wehren ist, sagte Stadtbrandinspektor Uwe Bauer.

Er hatte ein dickes Lob für seine Leute, verteilte aber auch Kritik: Die große Zahl der Schaulustigen habe die Rettungsarbeiten in den ohnehin schmalen Gassen deutlich erschwert. "94 Feuerwehrleute, Fahrzeuge, Ausrüstung, Schläuche - es war ohnehin schon alles eng, mit den vielen Zuschauern wurde das Arbeiten noch schwieriger", sagte Bauer.

Für die Familie, die da ihr Zuhause verloren hat, war das wohl gleich. Ihr Schock sitzt tief. Mutter und Schwester im Krankenhaus, Haus zerstört, Hund tot - die Zukunft der zwölf Menschen ist ungewiss.

Von Claudia Brandau

Feuer in Spangenberger Fachwerkhaus

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Wenderoth

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