Der Bagger leistet ganze Arbeit

Spangenberger Junkerhaus wird abgerissen

HNA

Spangenberg. Es gibt Momente, in denen selbst Fachleute völlig verblüfft und verdattert sind. Eine solche Situation erlebten jetzt Architekt Thomas Wunderlich und Zimmermann Manfred Roll beim Abriss des Spangenberger Junkerhauses.

Sie zogen einen dicken Eichenbalken aus dem zweiten Stock. Seine Länge: 14 Meter. Sein Gewicht: Um die zwei Tonnen. „Da fragt man sich doch, wie die Menschen ohne große Maschinen und Geräte einen solchen Balken in der zweiten Etage verarbeiten konnten“, sagt Wunderlich. „Das verdient großen Respekt.“ Der Architekt aus Mörshausen begleitet den Abbruch des Junkerhauses, der vor zwei Wochen begann und zu Beginn des neuen Jahres abgeschlossen sein soll.

Die Arbeiten gehen bewusst eher langsam voran, denn der ehemals prächtige Fachwerkbau entstand in einer eher ungewöhnlichen und ineinander geschachtelten Bauweise. Das bedeutet, dass das Abbruchteam vorsichtig zu Werke gehen muss, damit es nicht zu einem unkontrollierten Zusammenbruch kommt, bei dem alles auf einmal einstürzt. „Das Haus wurde so oft umgebaut, erweitert und saniert, dass wir einfach nicht wissen, was da als nächstes kommt“, sagt Thomas Wunderlich.

Er bedauert, dass es keine Alternative zum Abriss gab: „Das Gebäude war aber völlig desolat“, sagt Wunderlich. Hauptursache dafür sei die Tatsache, dass die Dachfläche nach einem Brand vor einigen Jahrzehnten nie wieder komplett geschlossen worden sei. Über eine große Kehle sei Wasser ins Gebäude geflossen. „Wasser bedeutet immer das Todesurteil für ein Haus.“ Das hat im Laufe der Jahrhunderte vieles überstanden, sogar ungezählte Brände – aber eben kein jahrzehntelanges Eindringen von Wasser. Das Gebäude war nach dem letzten Brand nie leergeräumt worden.

Die Mitarbeiter der Abrissfirma holten mindestens zehn Herde und Waschmaschinen aus dem Junkerhaus, eben so viele Badewannen und Duschen. Und natürlich auch jede Menge Lehm, Bauschutt, Kunststoff-, Eisen- und Elektroteile. Das alles wird noch fein säuberlich getrennt, historisch wichtige Funde gelagert und untersucht. Die Erkenntnisse sollen auch Auskunft darüber geben, wie alt dieses Haus denn nun genau ist, in dem ab dem 15./16. Jahrhundert die Söhne adliger Familien, die Junker, unterrichtet wurden. Bislang sei die Angabe einer Jahreszahl immer reine Spekulation gewesen, sagt Thomas Wunderlich.

Eine dendrochronologische Untersuchung der Balken soll dem Holz nun diese Infos entreißen und Erkenntnisse übers Baujahr des Junkerhauses ergeben. Dessen Tage sind nun im Wortsinne gezählt: Bereits zu Jahresanfang wird nichts mehr von dem ehemaligen Spangenberger zweiten Burgsitz zu sehen sein. Wer noch einen Blick auf die wenigen noch stehenden Gebäudeteile werfen will, muss sich sputen. (red)

Quelle: HNA

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