Ein treuer Spangenberger

Ordnungsamtsleiter Helmut Rahm geht in Rente

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Zu ihm führt nun kein Wegweiser mehr: Spangenbergs Ordnungsamtsleiter Helmut Rahm hat sein Büro geräumt. Der 60-Jährige ist in die Rente, bzw. in die Altersteilzeit gegangen.

Spangenberg. Sein letzter Arbeitstag hat 4 Stunden 47 Minuten gedauert. Das ist gerade mal ein Wimpernschlag gegen die Zeit, die Helmut Rahm im Spangenberger Ordnungsamt gearbeitet hat: Der 60-Jährige war dort 45 Jahre und drei Monate tätig.

Jetzt hat die Freizeitphase seiner Altersteilzeit begonnen Rahm hat sein Büro in der Spangenberger Stadtresidenz geräumt, in der das Ordnungsamt seit 2009 untergebracht ist.

Doch zwischen Anfang und Ende der Beamtenlaufbahn lag eine ungewöhnliche Karriere. Helmut Rahm war erst 15 Jahre alt, als er im Sommer 1968 den Arbeitsvertrag mit der Stadt Spangenberg unterschrieb. Und die hatte damals solche Personalnot, dass sie ihn von der Berufsschulpflicht befreite und direkt zur ersten Verwaltungsprüfung in Kassel anmeldete. "Da saß ich mit meinen 15 Jahren plötzlich in Kassel zwischen lauter Erwachsenen das war vielleicht seltsam", erinnert sich Rahm an die Anfangszeit.

Job war oft Gratwanderung

Die aber ist mittlerweile so lange her, dass er vier Bürgermeister und mehrere Generationen Kollegen hat kommen und gehen sehen. Und er hat das Leben vieler Spangenberger von Anfang an begleitet. Als Standesbeamter hat er damals, als noch viele Kinder per Hausgeburt zur Welt kamen, die Namen der jüngsten Spangenberger ins Melderegister eingetragen, hat viele von ihnen Jahre später auch selbst getraut und so manchen Namen auch ins Sterberegister eingetragen.

Es war ein Arbeitsleben, wie Rahm es sich vorgestellt und gewünscht hatte: Er hatte keinesfalls stumpf in den Akten blättern, sondern immer eng mit Menschen in Kontakt stehen wollen. Dabei war der Job als Ordnungsamtsleiter oft auch eine Gratwanderung: "Wenn man den Leuten erst dienstlich böse Briefe schreiben muss und man sie am nächsten Tag privat im Supermarkt trifft, ist das auch nicht immer einfach", sagt der Amtsrat.

Anscheinend aber hatte er ein gutes Gespür dafür, diese Gratwanderung zu meistern, auch "wenn es manches Mal einfacher gewesen wäre, in einer anderen Stadt zu leben".

Doch ein Leben außerhalb Spangenbergs kam für Rahm nie in Frage. Er hat dort seine Frau gefunden, sein Haus gebaut, seine Tochter erzogen, will dort seinen Ruhestand verbringen. Aber Spangenberg ist nicht nur die Heimat, sondern auch das Hobby des ehrenamtlichen Stadtführers: Er will jetzt über den Winter hinweg eine neue Stadtführung zum Thema Fachwerk erarbeiten, gemeinsam mit seiner Frau reisen und Kunstausstellungen besuchen und noch vieles mehr. Angst davor, dass ihm die Zeit im neuen Leben als Rentner lang werden könnte, hat der 60-Jährige nicht.

"Ich bin all die Jahre immer richtig gerne an die Arbeit gegangen", sagt Helmut Rahm. "Aber jetzt gehe ich auch richtig gerne in den Ruhestand."

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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