Fünffensterstraße: Name erinnert vermutlich an Steuer aus der Zeit Bonapartes

Ein Relikt napoleonischer Zeit? Die Häuser in der Fünffensterstraße in Oberelsungen durften maximal fünf Fenster zur Straßenseite hin haben. Foto:  zhf

Oberelsungen. Fünf Fenster, mehr durften die Häuser in der Entstehungszeit der Fünffensterstraße in Oberelsungen nicht haben. „Ältere Dorfbewohner erinnern sich noch an Erzählungen ihrer Vorfahren, wonach hier die Menschen gelebt haben, die selbst keine Landwirtschaft hatten, aber bei den Bauern des Dorfes angestellt waren“, sagt Oberelsungens Ortsvorsteher Rüdiger Umbach.

Am damaligen Ortsrand des Zierenberger Ortsteils sollen sie ihre Häuser gebaut haben, wobei die Anzahl der Fenster zur Straßenseite hin begrenzt war.

Auch wenn es nicht eindeutig zu belegen ist, scheint die Erklärung hierfür eng mit den blühenden Abgabesystemen früherer Zeiten in Verbindung zu stehen. Preußen erhob eine Perückensteuer, Berlin besteuerte die unverheirateten Frauen und das englische Parlament beschloss 1697 eine Fenstersteuer für Häuser mit mehr als sechs Fenstern. Eine Idee, die den Franzosen derart gut gefiel, dass auch sie 1789 eine Steuer für Fenster einführten. Mit Jérôme Bonaparte, jüngster Bruder Napoléons und von 1807 bis 1813 König des Königreichs Westphalen, hielt die Fenstersteuer auch Einzug in die von ihm regierten Teile Deutschlands, kam somit vermutlich auch nach Oberelsungen. Die Fünffensterstraße scheint somit ein Relikt napoleonischer Zeit zu sein, wie auch ihr Pendant in der Kasseler Innenstadt oder das Fünffenster-Haus in Homberg-Efze.

Als Konsequenz aus jener Fenstersteuer wurden viele Gebäude mit weniger Hausöffnungen geplant, vielerorts sogar auch Fenster zugemauert. Noch heute trifft man, insbesondere in Frankreich, auf viele fast fensterlose Bauwerke. In der Fünffensterstraße in Oberelsungen stehen ebenfalls noch einige Gebäude mit wenigen Fenstern an der Giebelseite. Vielleicht ein Zeugnis der Fenstersteuer.

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Von Sascha Hoffmann

 

Quelle: HNA

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