Bürgerversammlung: Friedhofsunterhalt bewegt die Gemüter – Hundekot ekelt an

Sparkurs wird nicht härter

Großes Interesse: Im Stadtverordnetensitzungssaal versammelten sich Neukirchener mit und ohne Mandat, um über die aktuellen Geschicke der Stadt zu diskutieren. Foto: Quehl

Neukirchen. Die Bandbreite der Themen war groß: Von der Empfehlung zum Guerilla-Gardening (Wildblumenaussaat) bis zur möglichen Anschaffung eines Tempo-Blitzgeräts war vieles dabei, was in einer Kommune Thema sein kann. Die Bürgerversammlung am Donnerstagabend im Rathaus Neukirchen wurde dabei mit zunehmender Dauer immer munterer.

Und es wurde kleinteilige Stadt- und Infrastrukturpolitik auf dem kurzen Dienstweg gemacht. Aber die Menschen ließen auch Dampf über Entscheidungen der Stadtverordnetenversammlung ab, die ihnen gegen den Strich gehen.

Kontrovers und ausführlich ging es um die Friedhofsunterhaltungsgebühr, die es im Kneippheilbad seit 2004 gibt. Nach einem Gerichtsurteil wird sie seit 2010 nicht mehr einmalig mit der Bestattungsgebühr, sondern pro Jahr kassiert. Das kostet die Hinterbliebenen zwischen acht und 51 Euro, je nach Art der Grabstelle.

Zu viel jedenfalls für zahlreiche Beschwerdeführer und Kritiker. Otto Blau meint, bald werde die Urne im Wohnzimmerschrank üblich, da ein traditionelles Begräbnis unbezahlbar werde. Auch Kurt Markowski sieht schwarz für die gewohnte Friedhofskultur: „Ich befürchte eine große Friedhofsflucht.“ Hans Weigel zeigte sich empört über die fortlaufende Gebühr.

Dabei wurde auch deutlich, wie schwierig es ist, die Wünsche aller unter einen Hut zu bringen. So plädierte Hans Weigel dafür, die Heide am Friedhof wachsen zu lassen, während Stadtrat Jürgen Lepper unterstrich, dass einige dies rundheraus ablehnen und auf das Abmähen pochen.

Ausführlich referierte Bürgermeister Klemens Olbrich, der am 25. Mai erneut zur Wahl als Bürgermeister antritt, über die Finanzsituation Neukirchens. „Immer weniger Menschen tragen die gleiche Last“, unterstrich Olbrich. So waren zur Spitzenzeit 1995 im Kneippheilbad 7659 Personen mit erstem Wohnsitz gemeldet, im November 2013 waren es nur noch 7221. Olbrich bezeichnete es unterdessen als vergleichsweisen Erfolg, dass die Schulden der Stadt binnen zehn Jahren von 12,3 Mio. Euro auf nicht mehr als 14,1 Mio. Euro gestiegen sind. Bei den Nachbarkommunen sei die Verschuldung ein größeres Problem.

Zum Zuschussbedarf für die Kitas – 820 000 Euro pro Jahr für rund 190 Plätze – stellte der Verwaltungschef klar, dass der Vergleich mit der Vergangenheit unlauter wäre: „Die Lebenswirklichkeit von Kindern ist eine ganz andere geworden.“ Die Entscheidung zur Schließung des Kindergartens Seigertshausen im vorigen Jahr aus Spargründen nannte Olbrich mutig.

Rasch abgehandelt war der Punkt, unter dem die Teilnehmer Sparvorschläge machen sollten. Stadtverordnetenvorsteher Willi Berg, der die Versammlung leitete, sagte einleitend, es solle kein Kahlschlag betrieben werden. Neue oder weitreichende Ideen, um weniger auszugeben oder mehr einzunehmen, gab es aber nicht.

Als Ekelthema erwies sich die Verschmutzung der Stadt durch Hundekot, so dass Willi Berg erstmals an dem Abend die Glocke läutete.

Bürgermeister Olbrich zeigte sich außerordentlich verärgert und schilderte, dass die Gehwege immer schlimmer verkotet seien, zumal in der dunklen Jahreszeit. Dabei sei es für die Verwaltung nahezu unmöglich, die Halter zur Verantwortung zu ziehen.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

Kommentare