Spiel auf Facebook: Ein Foto posten, das älter als 15 Jahre ist

Borken. An fünf Tagen ein Bild posten, das älter als 15 Jahre ist: Dieses Spiel wird auf Facebook gespielt. Melanie Stieglitz aus Kleinenglis hat mitgemacht - und es nicht bereut.

Ein ganzes Wochenende verbrachte sie damit, Bilder anzuschauen und für das Spiel auszuwählen. Auf die Aktion aufmerksam geworden ist die 31-Jährige erst, als eine Freundin sie nominiert hat. „Mitgemacht habe ich, weil ich es interessant fand zu sehen, was es überhaupt noch für Bilder von mir gibt“, sagt Stieglitz. Weil sie ihre Mama sowieso wieder einmal besuchen wollte, hat sie bei ihr dann auch gleich ihre alten Fotoalben mitgenommen. „Von meinem verstorbenen Opa hatte ich selbst noch welche im Keller. Die habe ich auch rausgeholt.“

Juli 1985: Mit 12 Monaten läuft Melanie Stieglitz durch das Wohnzimmer ihrer Eltern.

Als endlich alle Alben gefunden waren, konnte es losgehen: Gemeinsam mit ihrer Schwester hat sie ein ganzes Wochenende damit verbracht, die alten Fotos anzuschauen - Bilder, die noch nicht bearbeitet sind, sondern geknipst und anschließend entwickelt wurden. Das Ergebnis konnte man erst sehen, wenn man die fertigen Bilder in der Hand hielt.

Gelernt hat Melanie Stieglitz beim Durchsehen der Fotoalben vor allem, dass sie sich zu wenig Zeit für Familie und Freunde nimmt, dass ihr Alltag viel zu strukturiert ist. „Mir ist aufgefallen, wie lange meine Oma schon tot ist. Es kamen mir wieder so viele Erinnerungen an die Zeit mit ihr in den Sinn.“

Damit sie die vielen Erinnerungen in Zukunft immer wieder anschauen kann, hat die junge Mutter jetzt angefangen, die Bilder ihres zweijährigen Sohnes in Fotobüchern zu sammeln. Es sei schön, die Bilder in der Hand halten zu können. „Wenn ich jemandem meinen Sohn zeigen will, halte ich ihm sonst einfach mein Handy hin“, sagt Stieglitz.

Auch wenn sie wenig Privates auf Facebook mitteilt, bereut es die Kleinengliserin nicht, bei der Aktion mitgemacht zu haben. Immerhin habe sie selbst entscheiden können, was sie von ihrer Kindheit zeige. Was sie dann auch fünf Tage lang fleißig getan hat. Als Reaktion auf ein Kinderfoto von ihr habe sie zum ersten Mal gehört, dass ihr Sohn nicht nur Ähnlichkeit mit ihrem Mann habe, sondern auch mit ihr. „Da war ich stolz“, sagt die 31-Jährige.

Melanie Stieglitz konnte durch das Spiel auf Facebook nicht nur etwas Abstand von ihrem Alltag gewinnen und sich an alte Zeiten erinnern. Sie hat auch bemerkt, wie wichtig der Kontakt zur eigenen Familie ist.

Die Fotoalben ihres Großvaters verstauben jetzt nicht mehr im Keller, sondern liegen im Wohnzimmer und werden mit Ehemann und Freunden angeschaut.

Quelle: HNA

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