Nach Beschwerden der Nachbarn

Spiel-Verbot für Kinder: Familie ärgert sich über Schilder der GWH

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Dürfen kein Fußball mehr vor der Haustür spielen: Florian (3 Jahre, links) und Oliver (5) mit ihren Eltern Natascha und Stefan Budnick.

Fritzlar. Es könnte alles so schön sein: Natascha und Stefan Budnick aus Fritzlar haben mit ihren drei Söhnen eine gemütliche Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Fritzlar.

Gleich neben dem Haus ist ein Spielplatz und davor eine große Wiese. Weil es ein kinderfreundliches Umfeld zu sein schien, entschieden sich die Budnicks vor fünf Jahren für die Wohnung im Nordfeld.

Doch sei das Leben für die Familie in der Mariannenstraße im Nordfeld nicht mehr schön. Denn immer wieder hätten sich Nachbarn über spielende Kinder beschwert. Und das gipfelte jetzt in einem Verbot: Seit einigen Tagen steht ein Schild auf der Wiese, auf der ihre Jungs und auch einige Nachbarkinder gerne aufgehalten haben: Fußball spielen verboten!

Beim Spielen fotografiert 

„Wir haben uns die Wohnung ausgesucht, weil der Vermieter, die GWH Wohnungsgesellschaft, mit Kinderfreundlichkeit wirbt“, sagt Natascha Budnick. Und weiter: „Man hat uns beim Einzug versichert, dass Kinder willkommen seien und auch unsere Jungs.“ Doch kaum seien sie eingezogen und die Kinder zum Spielen rausgegangen, habe es Ärger gegeben. „Das steigerte sich. Ein Nachbar hat sie sogar beschimpft und ein anderer hat sie beim Spielen fotografiert“, sagt die hochschwangere 24-Jährige und regt sich über dieses Verhalten auf. Da habe sie die Polizei eingeschaltet, doch geholfen habe das auch nicht.

„Selbst wenn die Kinder auf dem Spielplatz gleich neben dem Haus sind, werden sie sofort angeschnauzt.“ Ihre Söhne Manuel (8 Jahre), Oliver (5) und Florian (3) habe das Verhalten der Erwachsenen verängstigt. „Geh woanders hin haben sie gerufen und böse Worte gesagt“, berichtet Oliver. Tränen schießen in seine Augen. „Die größeren Jungs schimpfen sie nicht“, sagt er dann.

„Wir haben lange darüber nachgedacht, ob wir damit an die Öffentlichkeit gehen, sagt Stefan Budnick. „Irgendwann reicht es aber einfach“, sagt er mit Blick zu seinen Jungs.

Weil sich die Situation zuspitzte, sind die Budnicks bereits seit längerer Zeit auf Wohnungssuche. Bislang ohne Erfolg. „Wir erwarten unser viertes Kind“, sagt Natascha Budnick und zuckt mit den Schultern. „Da hört man am Telefon schon mal, dass man lieber Mieter mit Tieren als mit Kindern nimmt.“

Enttäuscht sind die Budnicks auf ganzer Linie - auch von ihrem Vermieter. „Die GWH hält sich nicht an das, womit sie wirbt.“ Die Budnicks hoffen jetzt darauf, dass ihre Jungs wenigstens auf dem Spielplatz in Ruhe gelassen werden. „Das wäre schön.“

„Hier leben nicht nur Familien“ 

Die GWH-Wohnungsgesellschaft stehe ganz klar für Kinderfreundlichkeit, sagt Christian Wedler, Geschäftsstellenleiter GWH Kassel. Das gelte nicht nur für Mieter, sondern auch für das Engagement der GWH für den Kinderschutzbund.

Allerdings sei es gerade beim Thema Fußball nicht einfach, allen Mietern gerecht zu werden, erklärt er. „Bei uns wohnen nicht nur Familien mit Kindern. Das Geräusch, wenn ein Fußball ständig gegen eine Wand oder gegen Mülltonnen knallt, kann als sehr störend empfunden werden.“ Auch könnten Schäden entstehen, zum Beispiel an Fahrzeugen oder Fensterscheiben. Für das Fußballspielen gebe es Bolzplätze.

Aus Fritzlar liege keine Beschwerde von Nachbarn vor. Die Schilder seien wahrscheinlich auf der Wiese zwischen Wohnhäusern aufgestellt worden, um Belastungen vorzubeugen.

Für die Kinder habe man einen Spielplatz eingerichtet. „Dort dürfen die Kinder spielen“, betont Wedler. Es könne nicht sein, dass ihnen dort das Spielen untersagt werde, betont er.

„Darum werden wir uns kümmern.“ Er denke dabei an ein Schreiben an alle Mieter, in dem man deutlich machen werde, dass Kinder natürlich auf dem Spielplatz spielen dürfen.

Die Redaktion hat versucht mit den Mietern zu sprechen, die verärgert über die Kinder sind. Wir haben sie jedoch nicht erreicht. 

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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