Vor dem Dom: Rasanz und Finesse am großen Saiteninstrument mit Bassiona amorosa

Spielfreude am Kontrabass

Da wird der Bogen zum Säbel: Die fünf Kontrabassisten von Bassion Amorosa und der Säbeltanz von Aram Chatschaturjan. Foto: Auerbach

Fritzlar. Open-air am Freitagabend zwischen Dom und Rathaus in Fritzlar: An fünf Kontrabässen spielten die Musiker von Bassiona Amorosa das „Arioso“ aus dem Cembalokonzert f-Moll des großen Johann Sebastian Bach. Man traute seinen Ohren kaum: Sanft, warm und federleicht schwebten die Melodien daher.

In wohltemperierter Dimension gelang ein fabelhafter Auftakt. Der kam gut an und öffnete die Ohren und Herzen der knapp 400 Zuhörer für die außergewöhnliche Klangwelt dieses Ensembles. Denn normalerweise erzeugt der mannshohe Kontrabass mit seiner voluminösen Stimmkraft das stabile Klangfundament eines Orchesters. Für die Stimmführung ist er weniger gedacht.

Nicht so am Freitagabend. Mit Hingabe und oft tief über die Instrumente gebeugt, strichen und zupften die Bassvirtuosen scheinbar mühelos die Saiten. Und sie bewiesen, dass der Kontrabass in ihren Händen herrliche klangliche Finesse zu bieten hat.

Auch rasante Passagen demonstrierten die Bassisten. Die wirkten zwar virtuos. Doch bei gemäßigten Tempi kam der Wohlklang der Kontrabässe viel besser zum Ausdruck. Der Ursprung und die Bestimmung des Kontrabasses lassen sich eben nicht leugnen.

Im zweiten Konzertteil boten die Musiker den feurigen „Säbeltanz“ von Aram Chatschaturjan und überraschten in dem Stück mit Kampfrufen. Dazu sausten Kontrabassbögen wie Säbel durch die Luft. Giorgi Makhosvili (1977) spielt auch bei Bassiona Amorosa mit. Er komponierte „Little Prince“, „Little Valse“ und „Organic“. Drei Stücke, in denen das Ensemble stimmungsvolles Wechselspiel aufführte.

Gezupfte Saiten ließen Melodien erklingen. Rhythmen wurden mit den Händen auf dem Klangkörper geschlagen. Ein Bassist steigerte sich scheinbar so in das Spiel, dass sein Kontrabass zu Bruch ging. Wie die mächtigen Instrumente im Ensemble-Tutti zu einem Gesamtklang verschmolzen, war Erlebnis und Höhepunkt zugleich.

Eine weitere Klangsprache fügte die Pianistin Lilian Akopova dem Abend mit ihrem brillanten Klavierspiel hinzu. Gefühlvoll begleitet, erzählte sie zunächst den betörenden „Liebestraum“ von Franz Liszt (1811 bis 1886).

In einer Besetzung, die man nicht alle Tage hört, bot Bassiona Amorosa ein eindrucksvolles Konzert. Die Spielfreude übertrug sich auf die Zuhörer, und so entstand eine gelöste Stimmung in der wunderbaren Atmosphäre des geschichtsträchtigen Ortes.

Eine Besprechung des letzten Abends mit Ingo Naujoks finden sie auf KULTUR

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

Kommentare