8. Sinfoniekonzert in der Hardtwaldklinik in Bad Zwesten

Spitzers großer Auftritt

Sie beeindruckte das Publikum: Die Violinistin Sarah Spitzer bei ihrem Auftritt in Bad Zwesten. Foto: Auerbach

Bad Zwesten. Sie ist erst Mitte 20 und zählt schon zur aufstrebenden Generation deutscher Geiger: Sarah Spitzer. Der Schauspieler Armin Mueller-Stahl war ihr Förderer. Gertenschlank und im roten, schwarzbestickten, schulterfreien Konzertkleid bot sie vor den schwarz gekleideten Orchestermusikern einen aparten Anblick beim Konzert in Bad Zwesten.

Spitzer trat gemeinsam mit der Philharmonie Kalischka aus Polen auf. Die Geigerin hatte sich Peter I. Tschaikowskis einziges und berühmtes Violinkonzert D-Dur op. 35 aus dem Jahr 1878 vorgenommen: ein Werk, in dem die Stimmung hin und her wechselt und das der Violine eine Führungsrolle zuteilt.

Höchst anspruchsvoll zu spielende Passagen folgen rasch hintereinander. Kurz gesagt, in den drei Sätzen wird vom Solisten großes Können verlangt.

Damit nicht genug. Der russische Komponist (1840 bis 1893) machte mit seinem Fingerzeig: „Nur die Musik vermag zu rühren, zu bewegen und zu erschüttern, die der Tiefe einer durch Inspiration erregten Künstlerseele entströmt“ deutlich, dass es auf Hingabe, Leidenschaft und Gefühl ankommt.

Mit dieser gewaltigen Aufgabe stand Sarah Spitzer im Mittelpunkt des 8. Sinfoniekonzerts in der Kulturhalle der HWK II in Bad Zwesten.

Die Geigerin ging beherzt voran. Ihr wundervolles Spiel zauberte warme und reine Töne aus der Panormo-Geige hervor. Die Solistin ließ das Instrument jubilieren und aus Tiefen in höchste Höhen aufsteigen. Virtuos, voller Risiko stürmte sie leichtläufig durch die große Solokadenz und entfaltete wenig später die empfindsamsten, poetischsten Töne in der Canzonetta.

Das Orchester begleitete feinfühlig. Wie unvergleichlich schön klang doch sein weicher und gefühlvoller Einsatz nach dem minutenlangen Violinsolo im ersten Satz. Sarah Spitzer gelang es, das Konzert mit ihrem Spiel zu gestalten. Es war der Auftritt einer Geigerin, die ihre Klasse bestätigte. Die Zuhörer waren hell auf begeistert.

Das Konzert eröffnete die Philharmonie Kalischka mit Franz Schuberts Ouvertüre zum Schauspiel „Rosamunde“ von Helmina Chézy aus dem Jahr 1820.

Die 2. Sinfonie D-Dur op. 73 von Johannes Brahms (1833 bis 1897) rundete den Abend ab und beschloss ihn. In beiden Werken ließ Dirigent Volker Schmidt-Gertenbach das Orchester das Spektrum seines Könnens zeigen. Die Musiker lieferten eine fabelhafte Leistung ab und boten dem Publikum ein mitreißendes Hörerlebnis. In den herzlichen Applaus für die Solistin und das Orchester mischten sich Bravorufe.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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