Krankheiten der inneren Organe sind häufigste Ursache

Mit Sport gegen Schwerbehinderung

Schwalm-Eder. Um 15 Prozent ist seit dem Jahr 2000 die Zahl der Schwerbehinderten im Schwalm-Eder-Kreis gestiegen.

Das ergab eine Auswertung der IKK classic anhand von Zahlen des Statistischen Landesamts Hessen. Gab es 2000 noch 16.290 schwerbehinderte Menschen, so stieg diese Zahl bis Ende 2013 auf 18 760 an. Dabei hatten mehr Männer als Frauen einen Behinderungsgrad von mehr als 50 Prozent.

Häufigste Ursache für eine Schwerbehinderung sei nicht etwa eine angeborene Behinderung oder ein schwerer Unfall, sondern eine schwere Erkrankung, heißt es in einer Pressemitteilung der Krankenkasse weiter. Das bestätigt auch Dr. Jens Zemke, Chefarzt der Abteilung Geriatrie am Asklepios-Klinikum Melsungen: „In 85 Prozent aller Fälle sind Krankheiten der inneren Organe Ursachen für eine Schwerbehinderung.“

Daher steige im Alter auch das Risiko, durch eine chronische Erkrankung schwerbehindert zu werden - sei es durch einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall, eine Krebserkrankung oder Diabetes. Zumeist, sagt Zemke, seien die Schwerbehinderten multimorbide - sie leiden an mehreren Erkrankungen gleichzeitig. Und: Wegen des demografischen Wandels ist davon auszugehen, dass die Zahl der schwerbehinderten Menschen in den nächsten Jahren weiter ansteigt - denn in 20 Jahren sei im Schwalm-Eder-Kreis jeder Zweite über 65 Jahre alt, sagt der Altersmediziner.

Dem gelte es entgegenzuwirken mit Präventionsprogrammen für die gefährdeten Bevölkerungsgruppen in den Bereichen Bewegung und gesunde Ernährung, Stressbewältigung und Suchtprävention, meint die Krankenkasse.

Zemke selbst ist Mitinitiator eines solch vorbeugenden Therapieprogramms: Mit einer Auftaktveranstaltung am 17. April in Melsungen startet im Landkreis das Therapieprogramm „Bewegung gegen das Vergessen.“

Hintergrund: Jeder Zehnte ist schwerbehindert

• Ab einem Grad der Behinderung (GdB) von 50 Prozent spricht man von Schwerbehinderung. Der Grad der Behinderung wird nach Zehnergraden festgestellt, von 20 bis 100. Dabei werden alle vorhandenen Beeinträchtigungen berücksichtigt. Grundlage für die Beurteilung von Beeinträchtigungen sind seit dem 1. Januar 2009 die Grundsätze der Versorgungsmedizin-Verordnung.

• Ende 2013 waren bei den Versorgungsämtern in Deutschland 7,5 Millionen Menschen als Schwerbehinderte mit gültigem Ausweis amtlich anerkannt. Das entsprach einem Anteil von 9,3 Prozent der Bevölkerung. Knapp über die Hälfte waren Männer.

Quelle: HNA

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