Homberger treffen im Café 44 mit Asylbewerbern zusammen

Die Sprache der Herzen

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Lernen sich kennen: Pfarrer Friedrich Heidelbach (links) und andere Homberger treffen sich im Café 44 regelmäßig mit Asylbewerbern wie Mo Jamil (rechts) bei Kaffee und Kuchen und kommen ins Gespräch.

Homberg. Einfach mal gemeinsam Kaffee trinken, Kuchen essen und reden. Das was für viele Menschen so selbstverständlich ist wie die Milch im Kaffee, ist für die über 50 Menschen, die in dem großen Haus in der Bahnhofstraße 44 leben, etwas ganz Besonderes – vor allem in Homberg.

In der Kreisstadt gab es vor wenigen Monaten eine heftige Debatte über die Unterbringung Asylsuchender. Die war vor allem durch Ablehnung geprägt. Doch das längst nicht alle Homberger so denken, das wird seitdem bei den Treffen im Café 44 deutlich.

Einmal im Monat treffen sich in dem Gruppenraum des Asylbewerberheims einige Homberger mit den Bewohnern. Einfach so, zum Kaffee trinken und reden.

„Wir wollen die Menschen zueinander bringen“, sagt Pfarrer Friedrich Heidelbach. Auf die Idee sei man nach der Diskussion um ein mögliches Erstaufnahmelager in Homberg gekommen. „Da ist uns bewusst geworden, dass bereits 50 Asylbewerber in Homberg leben und wir uns fremd sind“, sagt Heidelbach. „Das wollen wir ändern, wir wollen die Menschen willkommen heißen.“ Gesagt, getan.

Über alle Religionen hinweg

Hilfe dabei, eine Idee zu entwickeln, wie man möglichst unkompliziert und über alle Religionen hinweg aufeinander zugehen kann, gab es von Pfarrer Hermann Wilhelmy aus Gießen. Er arbeitet dort im Erstaufnahmelager für asylsuchende Menschen.

Die Einladung zum gemeinsamen Kaffeetrinken wurde im Asylbewerberheim gleich in mehreren Sprachen verteilt, um so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Es gibt Rühr- und Streuselkuchen. Zubereitet haben den Frauen des Arbeitskreises Café 44, dem 20 Homberger angehören.

Das Gebäck ist einigen der Bewohner fremd, doch greifen sie zu und schon ist er da, der Gesprächsstoff. „Sind das Nussecken?“, fragt Mo Jamil aus Pakistan und beißt in ein Stück Streuselkuchen. Auf seine Frage nach dem Kuchen bekommt er auch gleich eine Antwort – und wenn mal die Worte fehlen, hilft man sich einfach mit Händen und Füßen weiter. Es wird miteinander gelacht. „Das ist die Sprache des Herzens“, sagt Heidelbach.

„Ich finde es sehr schön von den Hombergern, dass sie sich Zeit für uns nehmen“, sagt Mo Jamil, der aus seinem Heimatland floh, weil er Angst um sein Leben hatte. Ein Schicksal, dass viele der Bewohner teilen. Über ihre Vergangenheit will Merim Yemanm aus Äthiopien nicht sprechen. „Das tut mir zu sehr weh“, sagt sie, dann lächelt sie und erzählt davon, wie sie in Homberg Fuß gefasst hat. Mittlerweile lebt sie in einer eigenen Wohnung und wird als Altenpflegerin arbeiten. Beim Café 44 ist sie dabei, weil sie den neuen Asylbewerbern zeigen will, dass es eine Zukunft gibt.

An einem der Tische sitzt auch Janine Siegel aus Homberg. Die 30-Jährige spielt mit Anastasia Memory. Das Mädchen spricht noch kein Deutsch, das Spiel versteht sie aber schnell und gewinnt.

Zum ersten Mal ist Renate Zülch zu Gast im Café 44. „Mich hat die ablehnende Haltung vieler Homberger gestört. Das hat mich ratlos gemacht. Ich finde es gut, dass wir jetzt ein Zeichen setzen können.“ Auch beim nächsten Café 44 will sie dabei sein – bei Kaffee, Kuchen und netten Gesprächen.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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