Vom Kampf mit türkischen Vokalen und der(Ehe)-Last mit der deutschen Sprache

Melsunger Kabarett-Wettbewerb: Sprachzoff im Loriot-Stil

Köstlich: Die Kabarettisten Peter Hoffmann und Evelyn Wendler, die auch privat liiert sind, mimten ein Ehepaar, das Anleihen bei Loriot genommen haben könnte. Foto:  Kuberczyk-Stein

Melsungen. Eine ausverkaufte Kulturfabrik, ein bestens aufgelegtes Publikum und drei ebenso gut gelaunte Künstler – Kabarett-Herz, was willst du mehr. Über einen gelungenen Auftakt durften sich am Montag die Veranstalter und das Publikum des 17. Melsunger Kabarett-Wettbewerbs freuen.

Der Wettstreit in der Kulturfabrik erreicht für das Melsunger Publikum mittlerweile den Stellenwert, den Rheinländer ihrem Fasching geben. Man sitzt erwartungsfroh an den Tischen, das Getränk in Griffweite, und vorne auf der Bühne geht die Spaß-Post ab.

Als erstes ging der sympathische Deutsch-Türke Özgür Cebe ins Rennen um die Gunst von Jury und Publikum. Nicht leicht, als erster Teilnehmer das Publikum zu erobern. Dem gelernten Schauspieler, der durch die Fernsehserie Lindenstraße und durch gemeinsame Projekte mit Commedy-Star Kaya Yanar bekannt wurde, gelang es trotz einiger gelungener Nummern, nicht immer, die Zuschauer in seine Spaßwelt mitzunehmen.

Gute Laune brachte das kollektive Sprachtraining „Türkisch für Deutsche“, bei denen die Vokale „Ö“ und“ Ü“ die Hauptrolle spielen. „Ich spreche vor, Ihr mir nach“, motivierte Özgür Cebe und schickte Silbensalate wie „küzümözimös“ in den Saal. Das Publikum reproduzierte so hilflos wie kichernd. Das brachte Spaß und Stimmung.

Ein wenig davon ging verloren, als der 37-Jährige nahtlos dazu überging, den moslemischen Glauben auf das Kabarett-Tablett zu heben. Im Grunde lobenswert, in einem Kabarettprogramm auch mal Gedanken zu präsentieren, die Schwere und Tiefe haben – der kabarettistische Biss, die Schärfe jedoch fehlten dabei ein wenig.

Blickt man auf den Gesamteindruck, dann sind Cebes Qualitäten als guter Unterhalter jedoch nicht zu bestreiten. Das Publikum bedankte sich dafür mit Applaus.

Nicht weit entfernt von der Bestmarke „geniale Unterhaltungskunst“, spielte sich das Kabarett „Kababbaratz“, dass im Anschluss die Bühne enterte, in die Herzen des Publikums. Evelyn Wendler und Peter Hoffmann, die auch privat liiert sind, gaben ein Ehepaar, das Anleihen von Loriot genommen haben könnte.

Die deutsche Sprache, ihre wenig entspannende Grammatik und der Kulturverfall der Deutschen hat es ihnen angetan. Was dabei alles schief laufen kann und wie es sich als Ehepaar darüber prächtig streiten, einander rüffeln und auch das Publikum auf den Arm nehmen lässt, zelebrierten die beiden mit Ausschnitten aus ihrem Programm „Retter dem Dativ – Lightkultur für Eingeborene“ . Es ist die typische Rollenverteilung, die zum Lachen bringt. Er, ein Typ der Marke murrender alter Besserwisser. Sie, die seufzende Ehefrau, die es ihm zum Abschluss beim handfesten und köstlich arrangierten Ehekrach so richtig zeigt. Einen Nusskuchen wollte sie backen und schickte ihn zum Einkaufen. Das Ergebnis: Er bringt das Falsche: Mandeln. Der Fehlkauf wird zum Rundschlag und Aufhänger für eine komplette Ehe-Abrechnung.

Viel Grund zum Lachen gab es schon davor. Bei den Publikumsbefragungen zum Beispiel: „Wie heißt der Indikativ von „ich wüsste?“. Beim Autorenraten: „Von wem stammt dieses Gedicht?“ Immer wieder bezogen die beiden das Publikum gekonnt und sehr unterhaltsam mit ein. Lautstarker Applaus für dieses großartige Paar, das für zahlreiche Wiedererkennungswerte aus dem Ehealltag sorgte und das mit einem genial verarbeitenden Thema verknüpfte.

Von Steve Kuberczyk-Stein

Quelle: HNA

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