Schwalm-Eder-Schau: Vielfalt der Dialekte beim Mundartnachmittag am Samstag

Sprechen wie Nordhessen

Treysa. Den Kampf der Dialekte wollten die Akteure beim Mundartnachmittag auf der Schwalm-Eder-Schau nicht ausfechten: Das wäre auch schade gewesen, hat doch jede Region ihre sprachlichen Finessen. Was der Nordhesse mit Sprache alles machen kann, das war am Samstagnachmittag auf der Bühne zu sehen und zu hören.

Bei den Schülern der Ziegenhainer Carl-Bantzer-Schule drehte sich alles um „Dos Küchebläch“. Gemeinsam mit ihren Lehrerinnen hatte die Gruppen den Sketsch in Schwälmer Mundart einstudiert. „Uns ist wichtig, dass der Dialekt nicht verloren geht“, sagte Heidrun Elborg, Mitglied der Schulleitung. Authentisch wirkte der Sketsch, weil die Akteure selbstverständlich in Tracht auf der Bühne standen. Die Schüler erzählten in heiteren Reimen, auf welchen Wegen ein Backblech plötzlich aus der Küche verschwinden kann. Gefunden wurde das gute Stück schließlich bei Schüler Jakob, der das Blech unter seinem Kittel trug. Das „Küchebläch“ sollte ihn vor der Prügelstrafe des Lehrers schützen.

Mit dem Zug uff Trees

Röllshäuser Platt hörte das Publikum von Dr. Volker Lange, dem früheren Chefarzt der Chirurgie am Klinikum Ziegenhain. „Bei der Vorbereitung habe ich mich von meinem Schulfreund Heinz Diehl beraten lassen“, verriet der Mediziner. Lange wurde 1942 in Röllshausen geboren, später zog die Familie nach Ziegenhain. Gern erinnere er sich daran zurück, wie er mit dem Zug „uff Trees“ in die höhere Schule gefahren sei. Bei der Bundeswehr hingegen handelte er sich wegen des Schwälmer Platts mal ordentlich Ärger ein: „Weil ich mit einem Soldat aus Seigertshausen Platt gesprochen habe.“

Nach einer Stippvisite als Arzt in Stuttgart kam er in die Schwalm zurück. Häufig habe er mit Patienten dann auch „schwälmisch geschwätzt“. Irritiert sei er allerdings häufiger gewesen, wenn er die Patienten in Platt begrüßte, die dann aber mit ihm „vornehm schwatzten“. Und Lange bewies, dass er sich auch mit den Farben der Tracht auskennt.

Die politische Liedermacherformation „Die Rotkehlen“ aus Kassel hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Volksmusik – tatsächlich die aus dem Volke – und das musikalische Kulturgut der vergangenen Jahrhunderte ins neue Jahrtausend zu retten.

Das Repertoire von Julia Dörrbecker, Carsten Dörrbecker, Sebastian Lecke, Kolja Schramm und Andre Zimmermann bestand aus traditionellen Handwerker-, Mundart-, und Arbeiterliedern, angereichert mit eigenen Kompositionen. „Uff´n Käppchen“ nahmen sie das Publikum mit und überzeugten mit ehrlicher, handgemachter Musik und kritischen Texten.

Noch mehr kuriose Geschichten waren zum guten Schluss von der Mundartcombo „Die Stracke“ zu hören.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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