Duo von der Melanchthon-Schule überzeugte mit Hausarbeit bei Geschichtswettbewerb

Auf der Spur der Stasi

Zurück aus Wiesbaden: Jonathan Deist (links) und Jan-Christian Fey mit ihrem Geschichtslehrer Harald Grede. Foto: Köcher

Steinatal. Den Hessischen Landtag erlebten vor kurzem Jonathan Deist und Jan-Christian Fey hautnah. Gemeinsam mit ihrem Geschichtslehrer Harald Grede waren die beiden Schüler der Melanchthon-Schule Steinatal nach Wiesbaden gereist. Der Grund: Die beiden 18-Jährigen hatten erfolgreich am Schülerwettbewerb 2010/11 der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung teilgenommen. Und für den dritten Preis des Aufsatzwettbewerbes erhielt das Duo bei der Preisverleihung in der hessischen Landeshauptstadt ein Büchergeschenk.

„Vom Widerstand zur Friedlichen Revolution“ lautete das Thema des Wettbewerbes, das Harald Grede im vorigen Herbst seinen Schülern in einem Kurs vorgestellt hatte. Jonathan Deist aus Röllshausen und Jan-Christian Fey aus Verna gewann der Geschichtslehrer für eine Teilnahme.

Arbeit in der Freizeit

Dass nicht gleich der komplette Kurs mitmachte, war naheliegend: Ihren rund 20-seitigen Aufsatz erarbeiteten die beiden Schüler in ihrer knappen Freizeit, ohne dass sie davon etwa mit besseren Schulnoten profitierten.

Als Thema hatte sich das Duo für „Die Entstehung und die Aufgabe des Ministeriums für Staatssicherheit“ entschieden. Wie die Staatssicherheit das Leben in der DDR bestimmte, wie die Öffentlichkeit kontrolliert wurde, um die SED-Diktatur zu sichern, aber wie auch dadurch die Wirtschaft ausgezehrt wurde – das waren die Fragestellungen, die Deist und Fey besonders interessierten.

Vom Bücherstudium über die Recherche im Internet bis zur Begegnung in Alsfeld mit Joachim Gauck, dem Namensgeber der Behörde zur Aufarbeitung der Stasi-Akten, erarbeiteten die beiden 18-jährigen von September bis Januar eine vielschichtige Arbeit. Besonders ein Zeitzeugen-Interview mit einem Ehepaar, die als Republikflüchtlinge unter der Stasi zu leiden hatten und heute als Unternehmensberater arbeiten, beeindruckte die Schüler.

Zu Tränen gerührt

„Am Ende des Gesprächs war der Mann zu Tränen gerührt“, erinnern sich die beiden. Über die Staatssicherheit haben die Schüler viel bisher für sie Unbekanntes gelernt und gar eine Botschaft mitgenommen. „Es ist die Aufgabe unserer Generation mitzuhelfen, dass so etwas nicht wieder passiert“, sagt Jan-Christian Fey. Und Jonathan Deist meint: „Vor allem die Einzelschicksale waren beeindruckend.“

Harald Grede freut sich, abgesehen vom historischen Wissensgewinn, auch über praktische Lerneffekte. „Das war eine gute Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten“, meint der Geschichtslehrer, denn der Aufsatz sei einzustufen wie eine Hausarbeit in einem Uniseminar.

Von Jürgen Köcher

Quelle: HNA

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