Inquisition und Verrat: Gisela Ahlemann hat einen historischen Roman geschrieben

Spuren einer starken Frau

Soeben erschienen: Die Blütenranke auf dem Umschlag von Gisela Ahlemanns

Steina. Man warf ihnen Verschwörung und Zauberei, ja gar einen Pakt mit dem Teufel vor – viele Frauen wurden im Mittelalter als Hexen gejagt, gequält, gefoltert. Tausende verloren ihr Leben auf dem Scheiterhaufen. Von einem dieser menschenunwürdigen Prozesse erzählt Gisela Ahlemann. Die Juristin aus Steina hat gerade ihren ersten Roman veröffentlicht: „Es geschah 1684 in Zarrentin – Inquisita.“

Im Urlaub entdeckte die Rechtsanwältin im westmecklenburgischen Zarrentin die historische Vorlage. In der Bibliothek des Klosters am Ufer des Schaalsees stöberte sie in historischen Unterlagen und las sich in die Akten eines spektakulären Hexenprozesses ein. „Ich wusste sofort, dass ich darüber schreiben muss“, erzählt die 45-jährige Juristin. Zwei Jahre hat die Arbeit am Erstlingswerk gedauert.

Immer wieder reiste Gisela Ahlemann zu Recherchen in die Gegend, forschte im Stadtarchiv, ließ sich Zeichnungen und Aktennotizen schicken. In Penzlin besuchte die Autorin ein Museum für Magie und Hexenverfolgung. „Mecklenburg gehörte zu den Kernzonen der europäischen Hexenverfolgung“, erklärt die Juristin. „Man geht mittlerweile von 4000 Verfahren aus. Ich denke, es waren weit mehr. Viele der Akten sind nicht aufzufinden.“

Klar und bildhaft beschreibt Gisela Ahlemann die Lebens- und Leidensgeschichte ihrer Hauptperson, der fünffachen Mutter und Bäuerin Marit Klockziehm. Inspiriert fühlte sich die Rechtsanwältin von der wahren Geschichte der Ilse Prösche, die Richter Äpino bis April 1689 im Kerker sitzen ließ. „Am Tag ihrer Freilassung hat er sie hinrichten lassen“, hat Gisela Ahlemann beim Aktenstudium heraus bekommen. Ihren letzten Wunsch, noch ein Jahr mit ihren Kindern verbringen zu dürfen, habe er ihr verwehrt.

Von ihrer Hauptperson zeichnet die Autorin ein eindrückliches Bild. Mit unbeirrbarer Willensstärke leistet die Bäuerin unverbrüchlichen Widerstand.

Gisela Ahlemanns erster Roman ist ein glühendes Plädoyer für eine starke Frau. Auf der Zeitreise ins Mittelalter begegnet der Leser dunklen Verliesen, schmerzenden Peitschenhieben, bitterer Grausamkeit, aber auch einer leisen Hoffnung.

Der Spannungsbogen lässt wenig Zeit zum Durchatmen. Wird die Bäuerin wirklich am Galgen oder auf dem Scheiterhaufen enden? Inquisita gibt darauf die Antwort.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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