Fossilien-Sammlung: Willi Schütz (66) aus Lischeid ist begeisterter Hobbyforscher

Spurensuche im Gestein

Zeitzeugen: Diese Funde sind mehr als 400 Millionen Jahre alt und wurden von Willi Schütz im Kellerwald entdeckt.

Lischeid. Schon seit den 60er-Jahren ist Willi Schütz von der Natur im Gilserberger Hochland fasziniert: Dabei gräbt der Lischeider buchstäblich in tiefen Schichten. Denn der 66-Jährige ist begeisterter Hobby-Geologe. In seinem Haus in Lischeid hat er mittlerweile eine nach wissenschaftlichen Standards katalogisierte Sammlung der Gesteinsfunde zusammen gestellt. Die Ausstellung zeigt beeindruckende Zeitzeugen aus der Urzeit. Doch nicht nur die Erdschichten faszinieren Willi Schütz.

Der Lischeider beschäftigt sich zudem mit wildwachsende Orchideen, die eben nur dort wachsen, wo bestimmte Bodenbedingungen herrschen. Im Hochland gibt es 15 Arten. Seit Jahrzehnten wird Willi Schütz von Fachleuten begleitet, unter anderem von Professoren der Uni Marburg. Nach Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und Vorträgen wird Willi Schütz im kommenden Jahr ein Buch zur Geologie im Gilserberger Hochland veröffentlichen.

Was der Lischeider erforscht, liegt Millionen Jahre zurück: „Der Kellerwald gestaltete sich vor etwa 325 Millionen Jahren noch als Untergrund eines flachen Meeres“, erklärt Schütz. Tonige und sandige Ablagerungen auf dem Meeresgrund bildeten sich über Jahrmillionen zu Tonschiefer, Quarzit und Grauwacke um. Das anfangs lockere Material verfestigte sich dann über hunderttausende von Jahre zum festen Gestein. „Erste geologische Beobachtungen im Kellerwald führte der Berginspektor Württemberger 1865 durch“, sagt der 66-Jährige. Im Kellerwald liegt auch das so genannte Erbsloch: Professor Denckmann von der Universität Göttingen erforschte 1897 die Fauna und fand zum Beispiel Muscheln, Trilobiten – das sind Vorgänger heutiger Spinnen und Fliegen – Kopffüßer (Tintenfischartige Tiere) und Korallen. „Ein Schürf durch Privatpersonen auf der Erbslochkuppe ist ohne Genehmigung jedoch nicht erlaubt“, erläutert Schütz. Die Funde im Erbsloch wiesen die selbe Fauna auf wie im Prager Becken.

Geologisch spannend ist auch der Momberger Graben. Hier führten vor 135 Millionen Jahren sehr starke Erdspannungen in der Erdkruste zu Grabeneinfällen. So entstand der Graben. „Bisher waagerecht liegende Muschelkalk-Gesteinslager rutschten in so entstandene Grabenzüge ein, gerieten in Schräglage oder falteten sich“, erklärt der Lischeider. Willi Schütz, der mehr als 30 Jahre im Naturschutzbeirat war, will mit seinen Funden die Natur bewahren: „Das Hochland ist schützenswert.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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