Prozess am Landgericht Marburg - Lange Haftstrafen drohen - Verhandlung vertagt

Angeklagte müssen sich vor Landgericht für Überfall auf Spielothek verantworten

Foto: Köcher

Schwalmstadt/Marburg. Wegen schwerer räuberischer Erpressung und Beihilfe zur schweren räuberischen Erpressung mussten sich fünf Männer am Mittwoch vorm Landgericht in Marburg verantworten. Drei von ihnen sollen im Februar eine Spielothek in Ziegenhain überfallen haben.

Alle Angeklagten stammen aus dem Schwalm-Eder-Kreis sowie dem Kreis Marburg-Biedenkopf und sind zwischen 21 und 22 Jahren alt. Vier von ihnen sind bereits vorbestraft.

"Ich hatte Angst, dass sie mir etwas antun", sagte eine Zeugin vor Gericht. Die 27-Jährige arbeitete zur Tatzeit in der Spielothek und wurde von einem Täter mit einer Schreckschusspistole bedroht. "Ich hatte den Eindruck, dass sie nervös waren."

Einer der Angeklagten gab an, dass man sich über die Ausübung der Tat unschlüssig war: "Wir sind immer wieder auf die Toilette gelaufen und dann wieder aus der Spielothek raus. Wir waren uns nicht sicher, ob wir das überhaupt durchziehen wollen."

Drei der Angeklagten gestanden die Tat. Sie sagten aus, den Überfall im Rausch begangen zu haben: Sie hatten vorher Kokain und Alkohol zu sich genommen.

Mit der Beute, 830 Euro, waren vier der fünf Angeklagten am Tag nach dem Überfall nach Holland gefahren. Das Geld haben sie unter anderem für Drogen ausgegeben, berichtete einer der Angeklagten. Der fünfte Angeklagte sagte vor Gericht aus: "Ich wusste nichts von dem Überfall und habe erst davon erfahren, als die Polizei vor der Tür stand." Er war der Beihilfe zur räuberischen Erpressung angeklagt, wurde jedoch freigesprochen. Laut Richter und Staatsanwältin gibt es keine Beweise, dass er mit dem Überfall in Verbindung gestanden hat. Für einen Angeklagten plädierte die Staatsanwältin auf eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Er hatte bei der Tat eine Schreckschusspistole dabei.

Bei dem Angeklagten, der eine Machete in der Hand hielt, plädierte die Staatsanwältin auf eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 8 Monaten. Beim dritten Täter, der zur Tatzeit 20 Jahre alt war, sprach sich die Staatsanwältin für eine Jugendstrafe von 5 Jahren und 8 Monaten aus. Er hatte ebenfalls eine Schreckschusspistole dabei.

Dem jungen Mann, der die Idee zum Überfall hatte, droht eine Freiheitsstrafe von einem Jahr. Begründung der Staatsanwaltschaft:

Dem jungen Mann, der die Idee zum Überfall hatte, droht eine Freiheitsstrafe von einem Jahr. Begründung der Staatsanwaltschaft: Hehlerei und Nichtanzeige, obwohl er von dem Raub wusste.

Da die Gerichtsverhandlung mit mehreren Unterbrechungen knapp sieben Stunden dauerte, einigten sich Richter und alle Pflichtverteidiger auf eine Verlegung der Verhandlung.

Diese wird am Donnerstag, 17.November, fortgesetzt. Dann wird auch das Urteil erwartet.

Angestellte sah Maskierten

Am 18. Februar hatten drei Männer im Alter von 21 und 22 Jahren eine Spielothek in Ziegenhain überfallen. Ein Komplize soll laut Staatsanwaltschaft die Tat mit geplant haben. Gegen 1.20 Uhr hatten sich die Männer vor der Spielothek getroffen. Einer der Angeklagten gab bei Gericht an, dass sie unsicher waren, ob sie die Tat durchziehen sollten. Die Männer gingen mehrfach zur Toilette.

Die Angestellte bemerkte das Türenschlagen und schaute nach. Da nahm sie einen maskierten Mann wahr und lief schreiend zurück zu zwei Kunden in der Spielothek. Dann kamen drei maskierte, mit Machete und Schreckschusspistolen bewaffnete Täter und forderten die Kunden auf, sich auf den Boden zu legen. Die Angestellte musste das Geld aus der Kasse in eine Tasche füllen. Anschließend raubten die Täter die Handys der Angestellten und eines Kunden. Auch ein DVD-Player wurde erbeutet. Ein Täter riss auf der Flucht noch ein Telefonkabel aus der Leitung.

Von Lukas Krämer

Quelle: HNA

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