Brandserie Weißenthalsmühle

Brandserie Weißenthalsmühle: Staatsanwalt fordert hohe Haftstrafe

Niedergebrannt: Die Weißenthalsmühle in Niedenstein, die nun schon seit geraumer Zeit für Wirbel sorgt und die Gerichte beschäftigt.

Kassel/Niedenstein. Im Prozess um die Brandserie Weißenthalsmühle hat der Staatsanwalt auf eine hohe Haftstrafe für den Mühlenbesitzer Volker G. plädiert. Wegen vollendeten Betrugs im besonders schweren Fall, wegen zweier Versuche solcher Taten und weiterer Delikte sei er zu verurteilten.

Er fordert eine Gesamtfreiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren.

Für Jürgen K., der sagt, er habe zweimal im Auftrag des Mühlenbesitzers Feuer auf dem Anwesen gelegt, forderte der Anklagevertreter eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Jürgen K. habe sich der Beihilfe zu den Betrugstaten und weiterer Delikte schuldig gemacht.

Lesen Sie auch:

- Brandserie Weißenthalsmühle: Ärger um Wohnwagen

- Brandserie Weißenthalsmühle: Die heiße Spur zur Wahrheit

- Betreiber der Weißenthalsmühle in U-Haft - Auftrag zur Brandstiftung?

- Weißenthalsmühle bei Niedenstein: Brand zerstört Wohnhaus

Für die ebenfalls angeklagte Corinna S., die Lebensgefährtin des Mühlenbesitzers, forderte der Staatsanwalt eine Gesamtgeldstrafe von 120 Tagessätzen à 30 Euro. Mit den drei Bränden aus den Jahren 2008, 2010 und 2011, die im Mittelpunkt des Prozesses stehen, brachte der Staatsanwalt die 49-Jährige nicht mehr in Zusammenhang. Wohl aber hält er sie für schuldig, mit falschen Rechnungen für Wiederaufbauarbeiten an der abgebrannten Mühle Beihilfe zum Versicherungsbetrug geleistet zu haben.

Weder Volker G. noch Corinna S. sind vorbestraft. S. schweigt, G. bestreitet die Vorwürfe. Der Ausgang des Prozesses hängt davon ab, für wie glaubhaft das Gericht die Aussagen von Jürgen K. hält.

Der Staatsanwalt bewertete diese gestern durchaus als glaubhaft. K. habe 2011 bei der Polizei nicht nur die Brandlegungen eingeräumt, sondern weitere Delikte, die ihm gar nicht vorgeworfen wurden. Es sei nicht geklärt worden, was dieses Geständnis darstellen solle, wenn nicht eine Lebensbeichte.

Ein überzeugendes Motiv für eine unwahre Bezichtigung des Mühlenbesitzers konnte der Staatsanwalt nicht erkennen: „Außer Anekdoten haben wir nichts, gar nichts.“ Eine von der Verteidigung ins Spiel gebrachte tiefe Kränkung durch Volker G. lasse sich schlecht mit dem „fast freundschaftlichen Umgang“ der beiden Männer übereinbringen.

Dem Mühlenbesitzer attestierte der Staatsanwalt ein langjähriges Muster, lästig gewordenen Besitz als Versicherungsfall zu Geld zu machen. Im Prozess habe sich G. als gewiefter „Fachmann in Versicherungsfragen“ gezeigt. Das Anwesen Weißenthalsmühle habe er über Jahre verkaufen wollen: „Man wollte es loswerden, man ist es nicht losgeworden.“

Archiv-Video: Weißenthalsmühle bei Brand zerstört

Für die Schäden und den Wiederaufbau an der gebrannten Mühle habe die Versicherung über 900 000 Euro gezahlt, führte der Staatsanwalt aus. Für das abgebrannte Wohnhaus habe G. rund 400 000 Euro geltend gemacht, für das abgebrannte Sanitärgebäude und die Scheune 390 000 Euro. Dieses Summen flossen nicht mehr. Gekauft habe G. die Mühle im Jahre 2002 für 1,1 Millionen D-Mark. Der Verteidiger von Jürgen K. forderte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren für seinen Mandanten, falls das Gericht dessen Geständnis glaube.

Am 28. Dezember sollen die übrigen Verteidiger plädieren. Die Urteilsverkündung peilt die Kammer für den 7. Januar an.

Von Katja Schmidt

Quelle: HNA

Kommentare