Verteidigung des 19-Jährigen plädiert auf fahrlässige Tötung

Mara P.: Staatsanwalt wertet ihren Tod als Mord

Kassel/Melsungen. Im Prozess um den Stromtod von Mara P. aus Melsungen hat die Staatsanwaltschaft am Donnerstag neun Jahre Jugendstrafe für den Ex-Freund der 19-Jährigen verlangt.

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Nicht wegen Totschlags, wie es ihm noch in der Anklage vorgeworfen wird, sondern wegen Mordes aus Heimtücke soll der 19-Jährige vom Kasseler Landgericht verurteilt werden.

Die Verteidigung plädierte dagegen auf eine Strafe von „deutlich unter drei Jahren“ – wegen fahrlässiger Tötung.

Oberstaatsanwältin Andrea Boesken blieb mit ihrer Forderung nur ein Jahr unter dem Höchstmaß, das nach dem Jugendstrafrecht verhängt werden kann. Der Angeklagte habe Mara P. am Pfingstsamstag 2010 „bewusst und gewollt“ getötet, indem er einen eingeschalteten Heizlüfter genommen und zu der jungen Frau ins Badewasser geworfen habe, sagte Boesken. „Er wusste, dass sie keine Chance hatte und nutzte das aus – das ist heimtückisch.“

Der 19-Jährige habe keineswegs im Streit die Kontrolle über sich verloren, sondern planmäßig gehandelt – aus Wut darüber, dass die Beziehung zu Ende war und er die Wohnung verlassen sollte. Und das habe ihm Mara P. an jenem Abend nicht zum ersten Mal um die Ohren gehauen. Nebenklägeranwalt Jorg Estorf, der die Mutter der Getöteten vertritt, schloss sich dieser Sicht der Dinge an.

Für Verteidigerin Meike Schoeler aber war der Tod von Mara P. nur ein „tragischer Unfall“. Etwas anderes lasse sich ihrem Mandanten nicht nachweisen. Der 19-Jährige sei sogar so „harmlos und arglos“, dass er später nicht einmal den Heizlüfter weggeworfen habe. „Jeder halbwegs begabte Totschläger und Mörder beseitigt irgendwann mal die Spuren – und er hatte dafür sogar drei Monate Zeit.“

Die Leiche in der Badewanne war, wie berichtet, erst ein Vierteljahr nach der Tat entdeckt worden.

Am Montag will das Kasseler Landgericht sein Urteil verkünden. (jft)

Fall Mara P.: Bilder aus dem Gerichtssaal

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Quelle: HNA

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