Stabsfeldwebel aus Fritzlar bei Dreharbeiten in Afghanistan dabei

Verstanden sich gut: Rechts Uwe Schmidt aus Fritzlar und Schauspieler Felix Kramer.

Fritzlar/Masar-i-Scharif. Oft haben Film und Wirklichkeit nicht viel miteinander zu tun. Beim Kinofilm „Zwischen Welten“, der jetzt im Filmladen in Kassel läuft, sei das anders, sagt Uwe Schmidt aus Fritzlar. Der Stabsfeldwebel der Bundeswehr weiß, wovon er spricht.

Er war vier Mal in Afghanistan im Einsatz – dort, in einer weitgehend gesicherten Zone in Masar-i-Scharif, wurde auch der Spielfilm gedreht. Regisseurin Feo Aldag nutzt darin das Porträt eines ISAF-Soldaten im Afghanistankrieg zum Diskurs über Fragen von Nähe und Fremdheit, Vertrauen und Versagen. Wie human kann jemand handeln, der ins Räderwerk der strengen Militärbürokratie eingebunden ist? Was bleibt im alltäglichen Kampf ums Überleben von den Idealen der Menschenwürde?

Uwe Schmidt war nicht nur für die Bundeswehr in Afghanistan im Einsatz, er hat auch die Dreharbeiten verfolgt. „Das Team wurde von Scharfschützen bewacht“, erinnert er sich. Schmidt arbeitete im Tower des Flughafens. Seit mehr als zwölf Jahren ist die Bundeswehr in Afghanistan im Einsatz, Ende des Jahres zieht sie ab. Deutsche Soldaten bauten auf, bildeten aus, kämpften, halfen, töteten, starben – aber in deutschen Filmen fanden sie so kaum statt. Die Regisseurin wollte maximale Authentizität. „Das bringt der Film auch gut rüber“, sagt Uwe Schmidt. Da mache es auch nichts, dass die Schauspieler bei einer Lauf-Szene mit Wasser besprüht wurden, damit sie verschwitzt wirkten, sagt er und lacht. So sei das eben beim Film. An den Haaren herbeigezogen sei allerdings eine Szene, in der es um die Prügelstrafe geht. „Bei uns gibt es so etwas nicht“, sagt Schmidt. Doch bis darauf und den Fehler, dass bei der Bundeswehr Übersetzer Sprachmittler und nicht Dolmetscher genannt würden, sei der Film mit Ronald Zehrfeld in der Rolle des Soldaten Jesper nah dran am Leben der Einsatzkräfte.

Zwar gebe es nicht viel Kontakt mit den Afghanen, doch arbeiteten einige im Feldlager, als Reinigungskräfte zum Beispiel. „Was im Film gezeigt wird, könnte so passieren. Sollte es aber nicht“, erklärt Schmidt und spielt auf Szenen an, in denen Einheimische die Soldaten um Süßigkeiten, Medikamente und Unterstützung bitten – und bekommen. „Das findet nicht statt“, sagt Schmidt. Aus Sicherheitsgründen.

Im Kino: Der Film „Zwischen Welten“ mit Schauspieler Ronald Zehrfeld (links) als Jesper und Mohsin Ahmady als Tarik.

„Wir dürfen uns nicht einlassen, das ist nicht unser Auftrag.“ Doch könne er nicht ausschließen, dass es Situationen gebe, in denen sich nicht nur die Sprachmittler, sondern auch die Soldaten zwischen den Welten befänden. „Wenn wir außerhalb des Lagers einen Unfall verursachen, müssen wir weiterfahren und dürfen nicht anhalten. So lautet der Befehl.“ Wenn die Soldaten das gesicherte Gelände verlassen, dann stets in größeren Einheiten und im Eiltempo. Da müsse man auch mal Schafe, die auf der Straße stehen, aufscheuchen. „Es wurde schon Sprengstoff an Eseln befestigt“, sagt Schmidt. „Es gibt viele Gefahren.“ Deshalb könne es sein, dass einige Einheimische die Soldaten als arrogante Besatzer wahrnehmen. So, wie es im Film gezeigt werde. Man sehe viel Elend, sagt Schmidt, aber man könne nicht überall helfen. Dabei sei es nicht immer leicht, die Einladungen der Einheimischen auf einen Tee abzulehnen. „Sie haben nicht viel und laden uns ein“, sagt Schmidt. Manchmal – mit Erlaubnis – habe er an seinem Arbeitsplatz im Flughafen Masar-i-Scharif Tee mit den afghanischen Kollegen, die im zivilen Bereich des Flughafens arbeiteten, getrunken. „Dieser Tee schmeckte furchtbar“, sagt der 55-Jährige. Doch habe er ihn gerne getrunken.

Von Maja Yüce

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Quelle: HNA

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