Stadtfest Fritzlar: Ärger vor der großen Party

Fritzlar. 670 Euro für fünf Tische, die auch noch auf einem Fußweg stehen sollten, waren Edit Malazek zu viel. Die Inhaberin des Café Hahn am Fritzlarer Marktplatz wird beim Stadtfest gar keine Stühle und Tische aufstellen, jedenfalls nicht vor dem Café.

Sie weicht in den Hinterhof aus. Malazek ist nicht die einzige, die sich im Vorfeld des Stadtfestes geärgert hat.

Hintergrund der Verstimmung ist, dass der Stadtmarketingverein das Fest diesmal nicht selbst organisiert. Der Verein hat die Organisation an den Geschäftsmann Karsten Koppelin (Baunatal) vergeben, der schon bei diversen Festen in der Region die Fäden in der Hand hatte. Doch längst nicht alle sind mit seinem Vorgehen einverstanden.

Malazek und andere beklagen, sie seien nicht einbezogen worden, als es um das Konzept ging. Nach einem ersten Treffen habe sie erst wieder von Koppelin gehört, als die Rechnung für die Miete eintraf. Ihr sei auch mitgeteilt worden, sie dürfe kein Bier verkaufen, wenn sie nicht selbst einen Stand betreibe. Ähnlich ging es Kurt Clobes vom Hotel zur Spitze. 700 Euro sollte er für seinen kleinen Biergarten zahlen, Bier und andere Getränke sollte er nicht verkaufen.

Wie Veranstalter Koppelin auf HNA-Anfrage mitteilte, sei das ein Missverständnis. Die Regelung gelte nur für Betreiber von Getränkeständen, da er einen Vertrag mit einer Brauerei habe. Wirte könnten in ihren Biergärten selbstverständlich ihre Getränke verkaufen. Clobes nahm Kontakt mit Koppelin auf und einigte sich auf 250 Euro Miete. Damit, so sagt er, könne er gut leben. Trotzdem müsse der Stadtmarketingverein die Organisation selbst leisten können, findet Clobes. Das sieht Dejan Skamla von der Eisdiele am Marktplatz ähnlich. Immerhin zahle er 300 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr. Für Koppelin hat er Verständnis, der müsse schließlich sein Geld auch verdienen.

Die Miete für Tische auf dem Marktplatz war dem Eismann allerdings zu hoch. Er stellt nur einige direkt vor der Eisdiele auf sein eigenes Gelände. Auch am Konzept des Festes selbst gibt es Kritik. Edit Malazek glaubt, dass die große Bühne am Domplatz die Menschen vom Marktplatz wegziehen werde. Das schade den Kaufleuten am Markt. All das müsse im Stadtmarketingverein dringend diskutiert werden, findet sie und sagt: „Wir müssen uns auch mal wehren.“

Von Olaf Dellit

Das sagt der Stadtmarketingverein

Die Entscheidung, das Stadtfest an einen externen Veranstalter zu vergeben, habe finanzielle und organisatorische Gründe, sagt Ingrid Pütz, Geschäftsführerin des Stadtmarketingvereins Fritzlar. Ein solches Fest sei sehr teuer und bedeute einen großen Aufwand. Der Verein kümmere sich nach wie vor um das Gelände an der Allee und habe das Angebot dort noch erweitert. Über den neuen Veranstalter sagt Pütz: „Koppelin hat neuen Wind herein gebracht.“ Der Baunataler habe gute Beziehungen zu vielen Künstler, das diene dem Fest. Die Gastronomen in der Stadt hätten schon immer einen Anteil bezahlt, der sei früher allerdings geringer gewesen als jetzt ursprünglich vorgesehen. Der Verein habe in vielen Fällen zwischen Koppelin und den Geschäftsleuten vermittelt. Der Beschluss, einen Veranstalter anzuwerben, sei vom Vorstand des Vereins getroffen worden. Man habe aus dem Ärger gelernt, so Pütz, und wolle in Zukunft die Geschäftsleute besser einbeziehen. (ode)

Das sagt der Veranstalter

Die in Fritzlar ansässigen Betriebe zahlen nur ein Drittel der Miete, die Auswärtige für die selbe Fläche zahlen müssten, sagt Veranstalter Karsten Koppelin zu den Vorwürfen. So habe er sich beispielsweise mit einem Cafébetreiber auf eine Miete von gerade mal 150 Euro für etliche Tische geeinigt. Grundsätzlich müsse er natürlich mit der Ausrichtung des Festes Geld verdienen, machte der Baunataler Geschäftsmann deutlich. Den Kostenrahmen für das Stadtfest bezifferte er auf 30 000 Euro. Die Mieten für Stände in Fritzlar seien vergleichsweise günstig, so etwa 30 Prozent niedriger als in Baunatal. Von der Bühne am Dom verspricht Koppelin sich viel. Sie werde ein Anziehungspunkt werden. Das Konzept sei mit dem Stadtmarketingverein abgesprochen worden. In Fritzlar sei die Sensibilität offenbar sehr hoch, sagt Koppelin. Er sei jedoch jederzeit gesprächsbereit, wenn etwa ein Geschäftsmann die Miete für zu hoch halte. Koppelin: „Ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch.“ (ode)

Quelle: HNA

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