Stadtverordnete sagen Nein zur Krippe ohne Umbau

Schwalmstadt. Die Kinder des „Regenbogens“ kennen es nicht anders: Zu jeder Mittagsmahlzeit werden ihre Gruppenräume umgeräumt, damit sie an Tischen essen können, die Krippenkinder logieren dauerhaft in Containern.

Seit Jahren brennt das Problem der Lokalpolitik auf den Nägeln, wurde beraten und verschoben. Wenn jetzt wieder nichts geschieht, liegt es daran, dass die Aufteilung in unbefristete Bauabschnitte der Mehrheit der Stadtverordneten nicht geheuer war.

Der Vorschlag des Magistrates, für 450 000 Euro eine Krippe mit 20 Plätzen zu bauen, wurde am Donnerstagabend mit großer Mehrheit abgelehnt.

Viele Eltern und Mitarbeiter des vor 40 Jahren erbauten Regenbogens verfolgten die Debatte dazu im Ziegenhainer Rathaussaal. Schon die Ausschüsse waren uneins, wie sie sich aufstellen sollten, Bürgermeister Dr. Näser bejahte klar, dass „die Gemengelage unüberschaubar“ sei.

Er warb dennoch dafür, im Interesse der Jüngsten sofort bei der 150.000-Euro-Förderung zuzugreifen und für eine spätere Sanierung des Bestandes auf kommende Hilfen zu setzen. Drei Bauphasen ließen sich wirtschaftlicher besser darstellen.

Doch davon wollten die SPD und die Bündnisgrünen nichts wissen. Michael Schneider (SPD) vermisste Pläne und die Information, ob die Vereinbarungen über die Sanierung verbindlich bleiben. In die selbe Kerbe schlug Johannes Biskamp (B‘90/Grüne), der eine Kehrtwende befürchtet und fragte, ob mit einer Streichung des 1,35-Mio.-Projekts Haushaltskonsolidierung zu Lasten der Kinder betrieben werden solle, obwohl die Einrichtung in einem „äußerst kritischen Zustand“ sei.

Die voriges Jahr beschlossene Sanierung muss laut Biskamp realisiert werden, auch wenn Schwalmstadt „seit Jahren über seine Verhältnisse lebt“, „eine Wieragrundstraße für 9 Mio. Euro“. Eine Wieragrundstraße für 9 Mio. Euro hätte man sich nicht leisten dürfen.

Auch ein Formulierungsvorschlag von Philipp Zmyi-Köbel (CDU) schaffte keinen Konsens. Seine Fraktion enthielt sich letztlich in der Abstimmung. Für den Vorschlag stimmte nur ein Freier Wähler.

Aus dem Spatenstich für den Krippenneubau noch vor den Sommerferien wird somit nichts. Die Eltern und Erzieher verließen deprimiert die Zuhörerempore ohne konkrete Informationen, wann endlich ihre Kindertagesstätte umgebaut und modernernisiert wird.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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