Stadtverordnete frustriert: FWG und Grüne nicht bei Wahl des Felsberger Parlaments

Felsberg. Zur Wahl der Felsberger Stadtverordnetenversammlung treten die Grünen und die Freie Wählergemeinschaft (FWG) nicht mehr an.

Jochen Pschibul (Grüne) und Werner Plass (FWG) nennen gegenüber der HNA mehrere Gründe dafür.

Mehrfachbelastung

Von den fünf Mitgliedern der Grünen-Fraktion im Stadtparlament gehören vier der Einsatzabteilung der Feuerwehr an und haben dort zum Teil als Wehrführer oder Gerätewart zusätzliche Verantwortung übernommen. Der Spagat zwischen Beruf, Familie und mehreren Ehrenämtern war nur schwer zu bewältigen, schildert Pschibul. Das war ein Grund für die Fraktionsmitglieder, 2016 nicht zur Stadtverordnetenwahl anzutreten. Für den Ortsbeirat Felsberg kandidieren die Grünen indes, außerdem stehen Grünen-Mitglieder auf der Dorfliste Wolfershausen. Da die Ortsbeiräte seltener tagen, sei dieses Engagement eher zu stemmen. „Wir schließen aber auch nicht aus, dass wir bei der nächsten Kommunalwahl wieder antreten“, sagt Pschibul.

Diskussionskultur

Jochen Pschibul

„Es ist anstrengend, immer der Mahner zu sein“, sagt Pschibul über die Rolle der Grünen im Parlament. Seinem Eindruck nach werde von manchen Stadtverordneten anderer Fraktionen schlicht ausgeblendet, dass Beschlüsse des Parlaments auch finanzierbar sein müssten. „Auf kritische Fragen und Anmerkungen hierzu waren die Grünen häufig heftigen - gelegentlich auch persönlichen - Angriffen, insbesondere aus der SPD-Fraktion ausgesetzt“, schildert Pschibul. Die Mitglieder der SPD-Fraktion seien für Argumente der Grünen zum Teil prinzipiell nicht zugänglich. Als Beispiel nennt Pschibul den Ankauf des Bahnhofsgebäudes in Gensungen durch die Stadt. „Das war eine Hauruck-Aktion, ohne dass es ein Konzept für die Nutzung des Gebäudes gab.“ Die Grünen hätten schon vorher darauf hingewiesen, welche Kosten bei einer Renovierung auf die Stadt zukommen würden - seien aber nicht gehört worden.

Verwaltungsproblem

Werner Plass

„Ich bin mit der ganzen Politik in Felsberg nicht zufrieden“, sagt Werner Plass (FWG) über die Gründe für den Rückzug aus dem Parlament. Aus Sicht von Plass läuft in der Stadtverwaltung vieles nicht rund. Beispielsweise funktioniere die Kommunikation der Verwaltung mit den Ortsbeiräten nicht gut. Der Leidtragende sei dabei der Bürger. „Unser Bürgermeister ist kein Verwaltungsfachmann. Sein Fehler ist, dass er der Verwaltung immer den Rücken stärkt“, sagt Plass. Bei der zurückliegenden Bürgermeisterwahl hätten SPD, CDU, FDP und FWG versucht, einen Verwaltungsfachmann als Bürgermeister zu installieren - ohne Erfolg. „Das war eine schallende Ohrfeige für uns“, sagt Werner Plass rückblickend.

Wertschätzung fehlt

In der Bevölkerung mangele es an Wertschätzung für das Engagement der Stadtverordneten, kritisiert Plass. „Wir stehen als die bösen Buben da.“ Unter diesen Umständen sei er nicht bereit, weitere Jahre seines Lebens für die Arbeit im Stadtparlament zu verwenden. Er sei seit 18 Jahren im Ruhestand und wolle diesen genießen.

Nachwuchsmangel

„Uns fehlt der Nachwuchs“, erklärt Werner Plass. „Wir sind in die Jahre gekommen“, sagt der 74-Jährige über die Felsberger FWG-Mitglieder. Junge Leute, denen man zutraue, die Nachfolge der Älteren in der FWG anzutreten, hätten sich bislang nicht gefunden. Plass betont aber, dass sich die FWG Felsberg nicht aufgelöst habe. „Ich habe mich für die Kreistagsliste aufstellen lassen, aber auf einem der hinteren Plätze“, sagt Plass. Die Kollegen auf Kreisebene unterstütze er im Wahlkampf indem er Plakate aufhänge.

Quelle: HNA

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