Lebhafte Stadtverordnetenversammlung in Wolfhagen - Kritik an Fraunhofer-Institut IWES

Stadtwerke-Chef im Kreuzverhör

Martin Rühl

Wolfhagen. Es war eine denkwürdige Sitzung der Stadtverordneten in Wolfhagen. Verbale Attacken, Provokationen, Emotionen, Appelle und eine Art Kreuzverhör. Diesem musste sich am Donnerstagabend in der Stadthalle der Chef der Stadtwerke Wolfhagen, Martin Rühl, stellen.

Er sollte, wie nach einem CDU-Antrag vor der Sommerpause beschlossen, Rede und Antwort stehen. Es ging um das heikelste politische Thema in der Stadt: die Windkraft. Dabei war dieser Tagesordnungspunkt vor allem die Stunde derjenigen, die den Rödeser Berg als Windparkstandort ablehnen.

Der Fraktionschef der Grünen, Peter Kranz, schien mit einem ganzen Katalog an Fragen gekommen zu sein. Erneuerung von Altanlagen in Istha, Windertragsberechnungen, Schadenersatzregelung, die Bestellung der modernen Masten, obwohl der Windmessmast überhaupt noch nicht steht am Rödeser Berg, umweltfachliche Gutachten - der Grüne tischte alles auf. Dabei schoss er desöfteren übers Ziel hinaus, wie Stadtverordnetenvorsteher Werner Kunz mit lauter Stimme befand. „Sie stellen hier Fragen, die gehören nicht hierher. Herr Rühl ist weder Mitglied des Aufsichtsrates noch des Magistrats.“ Kunz war zusehends genervt („meine Geduld ist am Ende“) und warf Kranz Selbstdarstellung vor.

Stadtwerke-Chef Rühl war um Gelassenheit bemüht. Vieles von dem, was er zum Dauerthema sagte, hat er auch schon früher erläutert. Er warb zum wiederholten Male für das 20-Millionen-Euro-Projekt, das aus seiner Sicht ein Meilenstein in der Wolfhager Energiepolitik darstellt.

Auch Jens Kühle, der Fraktionsvorsitzende des Bündnisses Wolfhager Bürger (BWB), wie die Grünen Gegner dieses Windparks am Rödeser Berg, bohrte nach. Er fragte nach einem Bilanzschutz und wollte wissen, ob sich der Windpark auch noch mit drei Anlagen rechne, sollte eine Mühle wegen schwieriger Grundstücksverhandlungen wegfallen. Auch dann, so Rühl, lasse sich der Windpark noch betreiben, man müssse in diesem Fall schließlich weniger investieren. Die Banken seien „völlig entspannt“, die erwarteten Energieerträge seien die Sicherheit.

Rühl übte allerdings unverhohlen Kritik am Fraunhofer-Institut IWES in Kassel. Dieses ist verantwortlich für den 200 Meter hohen Messmast, der schon längst am Rödeser Berg hätte stehen sollen, aber noch nicht errichtet ist. Es habe sich als Fehler herausgestellt, an dieser Stelle auf IWES zu setzen. Zwar habe man 100 000 Euro für den Messmast eingespart - IWES trägt die Kosten -, durch die Verzögerungen des Projektes muss aber auch mit einer geringeren Rendite gerechnet werden, weil die Vergütungssätze durch die Novellierung des Erneuerbaren-Energien-Gesetz künftig sinken. Rühl ergänzte: „Auch ein verspäteter Bau stellt das Projekt aber nicht in Frage.“ HINTERGRUND

Fotos: Archiv

Quelle: HNA

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