Städte- und Gemeindetag hält Verkauf von Immobilien für sinnvoll

Sanierung hat begonnen: In dieses Haus am Busbahnhof wird die Arbeitsagentur einziehen. Foto: Leissa

Homberg. Die Bauarbeiten am ehemaligen Landratsamt am Busbahnhof in Homberg haben begonnen.

In das Gebäude, das die Kraftstrom-Bezugsgenossenschaft Homberg (KBG) von der Stadt für einen Euro gekauft hat, wird 2016 die Agentur für Arbeit mit 36 Mitarbeitern einziehen. Kritik hagelte es vor allem vom fraktionslosen Stadtverordneten Delf Schnappauf. Das Haus sei verschenkt worden, sagte er. Das Grundstück sei 120.000 Euro und das Gebäude über 200.000 Euro wert, so Schnappauf. Sein Fazit: Die finanzschwache Stadt subventioniere das Bauprojekt.

Das sieht der Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindetages, Karl-Christian Schelzke, ganz anders. Der Verkauf eines städtischen Gebäudes für einen Euro könne grundsätzlich sinnvoll und sogar ein Gewinn sein, sagte er auf HNA-Anfrage.

Denn ein altes Haus könne eine große finanzielle Belastung sein, erklärte er. „Es fallen Betriebskosten an. Der Unterhalt kann auf Dauer sehr teuer sein. Sanierungsarbeiten schlagen bei alten Gebäuden auch deutlich zu Buche“, so Schelzke. Deshalb sei es eine ganz einfache betriebswirtschaftliche Rechnung, die man aufstellen müsse.

Er befürworte den Verkauf, wenn für die Allgemeinheit ein Vorteil entsteht. Im Homberger Fall habe er zwar keine konkreten Zahlen, doch erscheine ihm das Geschäft sinnvoll. „Ich sehe einige Vorteile für Homberg.“

Gründe dafür seien, dass Arbeitsplätze innenstadtnah erhalten und sogar aufgestockt würden. Jeder Arbeitsplatz bringe auch Einkommenssteueranteile für eine Stadt, wenn die Mitarbeiter dort lebten, erklärt Schelzke. Das einige der Mitarbeiter ihren Wohnsitz in die Stadt verlagern könnten, sei nicht abwegig. Hinzu komme, dass durch die Arbeitsplätze und den Kundenverkehr direkt in der Nähe zur Innenstadt, diese davon profitiere. Auf jeden Fall sei es gut, wenn die Arbeitsagentur gut zu erreichen sei. „Solch ein Angebot gehört in die Stadt“, betont Schelzke.

Außerdem sei der Investor, also die KBG, ein im Ort und der Region ansässiges Unternehmen, welches auf seinen guten Ruf bedacht sei. „Das sind günstige Voraussetzungen für eine gute Abwicklung“, sagt Schelzke. Es sei nicht zu empfehlen, dass die Stadt mit ihren Immobilien dauerhaft ein Minus einfährt. Das gelte vor allem für Städte mit Finanzproblemen.

Auch wenn ein solcher Verkauf grundsätzlich kein Fehler sei, so kritisiert Schelzke die Homberger Politik: „Wenn nicht alle verstehen, warum der Verkauf gut ist, dann macht die Politik Fehler.“ Man arbeite dann wohl nicht transparent genug, und es sei nicht gelungen die Vorteile allen deutlich zu machen.

Mehrfach hatte Hombergs Bürgermeister Dr. Nico Ritz in Ausschüssen und im Parlament erklärt, dass das alte Gebäude kostspielig für die Stadt sei. Für die Vereine, die dort untergebracht waren, wurden andere Lösungen gefunden. Es sei eine Chance für eine Innenstadtvitalisierung, die nicht zu Lasten der Stadt gehe, sagte Ritz.

Dazu Schelzke: „Wenn es weiter Unmut gibt, muss man es noch deutlicher erklären.“

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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