Niederländer dampften mit der alten Lok des Hessencourriers nach Kassel

Stählerne Lady schnaufte

Mit Dampf von Kassel nach Naumburg: Die holländischen Eisenbahnfreunde mit der beliebten Lok des Hessencourriers. Das ist unter Eisenbahnfreunden ein besonders begehrtes Fotomotiv. Fotos:  Hoffmann

Naumburg. Es bedarf einer ordentlichen Portion Dampf, um die alte Lok des Hessencourriers anzutreiben. Heizer Wolfgang Rausch ist es gewohnt und schippt auch am Freitagvormittag schaufelweise Kohlen in den Kessel der 1941 erbauten Maschine der HC-206. Gut und gerne drei Tonnen sind nötig, um der stählernen Lady ein zufriedenes Schnaufen zu entlocken. Mächtige Dampfsäulen schickt die sodann gen Himmel über dem Naumburger Bahnhof , die den gerade angekommenen Passagieren die perfekte Kulisse für ein Erinnerungsfoto liefern.

Kaum ist das im Kasten, zücken alle Mitglieder der 44-köpfigen Reisegruppe ausden Niederlanden auch selbst ihre Kameras und lassen die Museumsbahn im Blitzlichtgewitter erstrahlen. Sie können gar nicht genug bekommen von dem schwarz-roten Koloss, mehrere hundert Fotos haben sie bereits geschossen während der rund zweieinhalbstündigen Fahrt von Kassel nach Naumburg. Die niederländischen Eisenbahn- und Straßenbahnfreunde wissen genau, wie selten derart gut erhaltene Züge sind und was für Arbeit sich dahinter verbirgt, beschäftigen sie sich in ihrem 1931 gegründeten Verein doch mit nichts anderem.

Die Fahrt mit dem Hessencourrier ist für sie einer der Höhepunkte ihrer jährlichen Vereinsfahrt, die sie nach Naumburg noch zu einer Eisenbahnschau nach Leipzig und weiter nach Braunschweig führt, wo sie abermals auf Zeitreise gehen, dann mit einer alten Straßenbahn. „Wir kannten den Hessencourrier nicht, haben aber von ihm gehört und unseren Ausflug bislang keine Sekunde bereut, das historische Bild ist einfach traumhaft, und für uns gibt es hier viel zu entdecken“, sagt Reiseleiter Ronald Bokhove.

Ofen an den Sitzbänken

So etwa ein ganz spezieller Wagen, der auch Philipp Donth vom Verein Hessencourrier besonders am Herzen liegt. Er gehört zur Grundausstattung der Kassel-Naumburger Eisenbahn und verfügt über einen alten Ofen inmitten der hölzernen Sitzbänke. „Es gab davon mehrere, sie standen im Bahnhof Elgershausen und wurden im Winter morgens früh eingeheizt, damit die Passagiere nicht frieren mussten“, erklärt Donth. Den Gästen aus Holland erzählt er bereitwillige alte Details aus der Geschichte des rollenden Museums, schließlich hat er nicht alle Tage derart begeisterte Eisenbahnfans an Bord. „Auch für unsere Crew ist diese außerplanmäßige Fahrt etwas ganz Besonderes, wir haben viel Gelegenheit zum Fachsimpeln, das bringt einfach Freude.“

Freude bereiten den Niederländern auch die vielen liebevollen Details, die originalgetreuen Fahrscheine etwa, die Zugführer Werner Wollnick entwertet, bevor es mit rund 40 Stundenkilometern wieder zurück gen Kassel geht. Die nächste offizielle Fahrt des Hessencourriers steht unmittelbar bevor. Kommendes Wochenende rollt der Zug wieder von seinem Heimatbahnhof in Wilhelmshöhe gen Naumburg, dann zu den Hessischen Pomologentagen. www.hessencourrier.de

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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