Faszination für alte Sachen

Von der Stall-Lampe bis zum Schrank: Martin Werner sammelt und möbelt auf

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Mittendrin: Martin Werner in seinem proppevollen Magazin, in dem bis zur Aufgabe der Landwirtschaft vor mehr als 20 Jahren die Kühe standen. Zu ihm kamen kamen auch schon Mitarbeiter des Kasseler Staatstheaters, um nach Requisiten zu suchen.

Naumburg. Eine Armee von Stuhlbeinen reckt sich im Halbdunkel zur weiß gekalkten Decke. Martin Werner hat die Sitzmöbel gesammelt, aneinandergereiht, gestapelt. Wie lange seine treuesten Exemplare hier schon vor sich hindämmern im früheren Kuhstall, kann er nicht sagen. Jahre, einige sicher Jahrzehnte.

Zusammengetragen hat er sie, weil sie Zeugnisse handwerklichen Könnens sind - massives Holz, zu schade zum Verheizen - und weil sie ja ein kleines Zubrot versprachen. Die Nachfrage im schlichten Stuhlsegment ist aber einfach nie so richtig in Schwung gekommen.

Etwas anders sieht es da bei anderen antiken Erzeugnissen der Schreiner-Zunft aus. Davon hat der 75-jährige Naumburger auch einige in seiner Sammlung, Schränke vor allem, auch Truhen und Kommoden. Die besten Stücke stehen im Haus. Auf mehr als 300 Quadratmetern ist viel Platz für Massivholz-Mobiliar aus Uromas Jugend. Martin Werner hat alles selbst zusammengetragen.

Früh hat er damit angefangen. „Die Sammelleidenschaft liegt mir im Blut“, sagt der gut gelaunte Naumburger. Der Bruder seiner Mutter, Willi Jacobi, war auch ein passionierter Sammler alter Gegenstände aus dem Alltag der ländlichen Bevölkerung. Er gründete das Naumburger Heimatmuseum.

„Eine elende Arbeit“

Saubere Arbeit: Vom alten Anstrich ist auf dem Eichenschrank nichts mehr zú sehen.

Neffe Martin reizte aber mehr noch das „Kungeln“, wie er es nennt, das Handeln mit den Möbeln - und das Arbeiten mit dem Holz. Die Schränke und Kommoden, die er dank seiner guten Kontakte und seiner kommunikativen Art in der Region aufstöberte, waren meist dick mit alter hartnäckiger Farbe beschichtet. Also. runter mit dem Lack. Wichigstes Hilfsmittel: Heißluftpistole und Spachtel. „Eine elende Arbeit“, klagt der frühere Landwirt, für die er aber immer belohnt wurde: „Wenn man so einen alten weißen Schrank kriegt und ihn dann schließlich abgelaugt hat und die schöne Maserung sieht, das ist eine feine Sache.“ Die Kenntnisse hatte er sich bei einem Antiquitätenhändler, dem er ab zu zur Hand ging, abgeschaut.

Die Faszination für alte Sachen beziehe sich aber nicht nur auf die Möbelsparte. Altes Leinen, Stalllampen, Zigarettenalben, Uralttelefone, Bügeleisen, Steinzeug und Porzellan, selbst Schreibmaschinen, Filmprojektoren und Ersatzteile für alte Mopeds hat Martin Werner auf Lager.

Seinen ehemaligen Kuhstall hat er mit Vergangenheit vollgestopft und den darüber liegenden Dachboden gleich mit. Wenn er in der Zukunft etwas von dem Zeug loswerden könnte, hätte er nichts dagegen. „Aber es geht gar nichts mehr geschäftlich“, klagt er, „die jungen Leute wollen sowas nicht mehr, und die alten sind froh, wenn sie es los sind.“

Statt zu kungeln und alte Möbel aufzuarbeiten, verbringt der Rentner mehr Zeit im Gemüsegarten oder kümmert sich zur Freude seiner Frau um die üppig blühenden Kübelpflanzen auf dem Hof. Die Armee der Stuhlbeine wird wohl noch lange in Martin Werners Stall kaserniert bleiben.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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