Von einst elf Stadtmauer-Wehrtürmen ist nur noch der Chattenturm erhalten

Ein standhafter Verteidiger

Wolfhagen. Wehrhaftes Wolfhagen - das war einmal: Elf Wehrtürme ragten im 18. Jahrhundert an der Wolfhager Stadtmauer in die Höhe, darunter vier mächtige mit Ein- und Ausgangstor zur Stadt. Als letztes Relikt der Grenzbastion Wolfhagen stehen der halbrunde Chattenturm nahe des Schützeberger Tors, in alten Schriften auch als Katzenturm bezeichnet, und ein kleiner Rest der einstigen Stadtmauer.

Die Geschichte des Chattenturms ist so alt wie die Geschichte des Stadt, die er verteidigte: Als Landgraf Konrad von Thüringen 1231 Wolfhagen gründete, verlieh er den Bürgern auch das Recht zum Bau einer Stadtmauer. Wann exakt die aus Sandsteinquadern ein Meter breite und sechs Meter hohe Stadtmauer mit ihren elf Türmen errichtet und fertiggestellt wurde, ist nicht exakt datiert. Experten vermuten um 1270.

Von der Südostseite des Turms prangt ein Wappenschild, das vermutlich eine Armbrust darstellt. Doch im Lauf der Zeit verlor der Turm seinen wehrhaften Charakter: Die ehemaligen Fenster werden jetzt als Brüstungszinnen verwendet. Das bedeutet, dass der ursprüngliche Turm um mehrere Meter geschrumpft sein muss.

Tag und Nacht besetzt waren Chattenturm und seine Nachbarn. Die Türmer erhielten ein Jahresgehalt von 48 Talern. Den Schutz der Stadt auf den Mauerwehrgängen stellte eine Bürgerwehr sicher. Jeder männliche Wolfhager im Erwachsenenalter hatte die Pflicht, in der Bürgerwehr unentgeltlich Dienst zu tun.

Die vier Stadttore wurden am Abend immer fest verriegelt. Kurz vor Einbruch der Dämmerung läuteten die Kirchenglocken. Danach hatten die außerhalb auf den Feldern oder in den Wäldern arbeitenden Bürger noch eine Stunde Zeit, sich zurück in die geschützte Stadt zu begeben. Wer zu spät kam, konnte nur noch am Schützeberger Tor um Einlass bitten. Dort befand sich ein so genanntes Mannsloch, eine Tür von etwa 1,50 Meter Höhe, die erst nach strenger Befragung und Kontrolle durch den Torwächter passierbar war. Ungebetene Gäste, Gesindel oder gar Feinde der Stadt mussten draußen bleiben.

Als aufgrund der veränderten Waffentechnik Stadtmauer und Türme ihren Sinn verloren, haben vermutlich viele Wolfhager Bürger die Sandsteine als Baumaterial für ihre Häuser, Stallungen und Scheunen verwendet.

Warum ausgerechnet der Chattenturm trotz zahlreicher kriegerischer Auseinandersetzungen sowie drei Stadtbränden erhalten blieb, bleibt ein historisches Geheimnis.

Seit der Renovierung 1991 ist der Chattenturm wieder besteigbar. Der Schlüssel kann im Rathaus ausgeliehen werden.

(zih)

Lebendiger Adventskalender Wolfhagen: 17 Uhr, Altes Rathaus, Adventliche Waffeln backen und Düfte raten. Bründersen: 17.30 Uhr, Treffpunkt vor der Kirche, Geschichte.

Quelle: HNA

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