Startschuss für Urwald aus zweiter Hand: Hessen-Forst stellt Bewirtschaftung ein

Wolfhager Land. An Weidelsberg, Isthaberg, Erzeberg und Wattenberg wird es künftig ganz still. Die Natur wird dort sich selbst überlassen. Hessen-Forst stellt die Bewirtschaftung dauerhaft ein. Ein Großteil der Gebiete wird umgewidmet in „Kernflächen Naturschutz“.

Das sagte jetzt der Leiter des Wolfhager Forstamtes Uwe Zindel.

Im Habichtswald und den umliegenden Staatswäldern sind es 405 Hektar Wald, die aus der Bewirtschaftung genommen werden. Damit werden auf knapp sieben Prozent der 5742 Hektar Staatswald im Zuständigkeitsgebiet des Forstamtes Wolfhagen die Arbeiten ruhen. Hessenweit wird auf eine Nutzung von 19.600 Hektar attraktiven Naturraums verzichtet.

Die Kernflächen sind ein Beitrag zur Sicherung seltener Waldstrukturen und heimischen Laubbaumbeständen der Alters- und Zerfallsphase. Damit sollen besonders empfindliche, wenig mobile und seltene Arten gefördert werden. Neben den alten Beständen heimischer Laubbäume – Buche über 180 Jahre, Eiche über 240 Jahre – wurden Waldbiotope wie Schlucht- und Auenwälder mit ihren typischen Arten als wertvolle ökologische Trittsteine einbezogen.

Wie Zindel sagt, weisen die Altholzbestände schon heute einen hohen Totholzanteil auf, der für viele Insekten und Pilze Lebensgrundlage ist. Beispiele sind die besonders geschützten Großkäfer Eremit, Hirschkäfer und Heldbock. Der Totholzanteil werde sich in den Kernflächen nach der Einstellung der forstlichen Bewirtschaftung künftig deutlich erhöhen. Zindel: „Diese Flächen werden zu Urwäldern aus zweiter Hand“.

Spaziergänger werden die Wälder auch weiterhin auf eigene Gefahr nutzen können. In wenigen Teilbereichen soll innerhalb der nächsten drei Jahre Nadelholz entnommen werden. Daneben werden künftig nur noch Maßnahmen zur Verkehrssicherung entlang von Straßen erfolgen.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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