Martha Wagner aus Borken-Singlis begeht heute ihren 100. Geburtstag

„Staune übers hohe Alter“

Im Blumenmeer: Martha Wagner feiert heute ihren 100. Geburtstag. Foto: Büchling

Singlis. Martha Wagner aus Singlis kann es kaum glauben, dass sie heute ihren 100. Geburtstag feiert. Die alte Dame habe nicht gedacht, so alt zu werden, resümiert sie, während sie in ihrem Stuhl im Garten sitzt, wo sie fast ihr ganzes Leben verbracht hat.

Zufrieden schaut sie auf das Meer aus Blumen und erinnert sich an ihr Leben, das in den ersten Jahren vom Krieg geprägt war. Diese Ereignisse sind immer noch stark im Gedächtnis.

Besonders heftig in Erinnerung geblieben sind ihr die Geschehnisse einen Tag nach dem Bombenangriff auf Kassel, wo sie mit der Zerstörung der Stadt und den vielen Toten konfrontiert wurde.

Ihr erster Mann fiel im zweiten Weltkrieg in Russland, und ihr Bruder wurde dort schwer verwundet. Wegen all dieser schweren Ereignisse freut sie sich, wenigstens außerhalb der Kriegszeit geboren zu sein. Das hat sie auch zu ihrem Wahlspruch gemacht. „Ich bin noch Friedensware“, lautet Martha Wagners Interpretation.

Geboren in der Kaiserzeit

Als sie am 24. Juli 1913 in Singlis zur Welt kam, war Wilhelm der Zweite deutscher Kaiser und König von Preußen. Ihr Vater war während des Ersten Weltkrieges Bahnbeamter im Bahnhof Gemünden/Wohra. Nach den Kriegswirren wurde der Vater zum Bahnhof nach Wabern versetzt, die Familie zog mit. 1922 baute sich die Familie in Singlis eine kleine Landwirtschaft mit Haus, Stall und Scheune auf, die von den Frauen betrieben wurde.

Nach dem Krieg heiratete Martha Wagner 1949 zum zweiten Mal, die Ehe blieb zunächst kinderlos. Eine große Freude war dann die Geburt des Sohnes Reinhard im Jahr 1956. Zwei Jahre zuvor hatte das Paar ein eigenes Haus in der Siedlung gebaut, erzählt Martha Wagner. 1960 zog die Familie nochmals in ein anderes Haus und übernahm den elterlichen Hof.

Ihr Leben war von viel Arbeit auf dem Hof geprägt, bis die Familie die Landwirtschaft umstrukturierte. Kühe und Schweine wurden abgeschafft, das Geflügel blieb und war noch lange Zeit eines der Hobbys der begeisterten Landwirtin.

Sie renovierte mit

Sie war lange Zeit sehr rüstig. Mit 80 Jahren half die jetzt Hundertjährige noch bei der Restaurierung des alten Fachwerkhauses auf dem Hof mit. Im Rentenalter unternahm das Ehepaar gerne mit einer Gruppe aus dem Dorf Reisen.

2006 starb ihr Ehemann und seit 2010 wird sie von ihrem Sohn betreut und versorgt. Das Gedächtnis spielt nicht immer mit, ist aber dann wieder sehr präsent und sie sagt: „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so alt werden würde.“

Von Peter Büchling

Quelle: HNA

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