Stadtführer stiegen zum 100. Mal mit Gästen nachts zur Türmerwohnung auf

Der steile Weg zum Herd

Homberg. Nachtwächter Eckhard Böth kennt den Weg wie kein anderer: Der Homberger Stadtführer leuchtete kürzlich zum 100. Mal den Gästen einer Abendführung mit der Laterne heim. An seiner Seite: Stadtschreiber Berthold Röse und Türmer Dennis Willershausen.

Für die Teilnehmer stand ein Erlebnisprogramm an: Sie stiegen unter Glockengeläut die steile Wendeltreppe zum Kirchturm hinauf – und waren wohl froh über die Ohrstöpsel, die sie trugen und die ihre Trommelfelle vorm schlimmsten Dröhnen bewahrten.

Kochen über den Dächern

In der Türmerwohnung erhielten die 30 Besucher Einblicke ins Leben der Türmerfamilien: Ines Eberwein, gewandet als Ehefrau des Türmers, zeigte, wie man auf der offenen Feuerstelle in der im obersten Stockwerk des Turmes gelegenen Küche kochte. Für die Gäste gab es Schmalzbrot und saure Gürkchen.

Nach dem Abstieg inklusive Blick aus der Vogelperspektive auf das nächtliche Homberg, ging die Besichtigung weiter durch die Gassen der Altstadt. Im Dörnbergtempel erwartete Gertrudis Mostert als Freifrau Marianne von und zum Stein die Besucher. Ihnen ließ sie von ihrer Magd Odegebe alias Almut Karger, Tee und Gebäck anbieten, während sie ihre Lebensgeschichte erzählte.

Auf dem Weg zum Rathaus begegnete der Gruppe sogar die legendäre weiße Frau, die über die Stadtmauer geisterte. Den Abschluss der Jubiläumsführung feierte die Stadtführerzunft im Hotel-Restaurant Stadt Cassel mit einer mittelalterlichen Tafelei mit Kesselgulasch und warmem Apfelkuchen nach überlieferten Rezepten.

Den Besuchern gefiel die besondere Art der Stadtführung, besonders die Turmbesichtigung wurde vielfach gelobt – auch wenn der Weg nach oben lang und steil war. „Es war für mich etwas Besonderes, die Kirchenglocken beim Läuten zu sehen“, sagte Inge Rudolph aus Homberg. Auch für Marcel Pagin war die Besichtigung des Kirchturms das Beste an der abendlichen Führung: „Das Glockenspiel und die Aussicht waren die absoluten Höhepunkte“, meinte er.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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