Wegen Tunnelbau der Bahn

Steinbrücke musste weichen: Bauwerk in Zierenberg wurde abgerissen

Zierenberg. Der letzte Zug hat vor gut acht Stunden den Eingang zum Eisenbahntunnel in Richtung Fürstenwald passiert, als ein tonnenschwerer Longfrontbagger seinen langen Arm in die alte Brücke bohrt. Mit ordentlich Getöse arbeitet sich das schwere Arbeitsgerät durch das Gemäuer direkt am Westportal des Tunnels.

Stein für Stein kracht auf das darunterliegende Gleisbett, Staub mischt sich mit dem Morgennebel, der sich hartnäckig zwischen Dörn- und Schreckenberg hält.

Zehn Männer sind es, die sich am aus Stahl, Beton und Naturstein bestehenden Bauwerk zu schaffen machen, denn das muss weg. Wenn im nächsten Jahr die Bauarbeiten für den neuen Tunnel beginnen, wäre es im Weg. Die provisorische Zufahrt zum Gleisbereich steht. Weil die Schienen direkt unter der Brücke verlaufen, müssen diese fein säuberlich mittels Schüttlagen und Holzbohlen geschützt werden, schließlich sollen hier schon in weniger als 48 Stunden wieder Züge fahren.

Ein wachsames Auge auf die Arbeiten hat Christian Holzapfel von der Bauüberwachung der Deutschen Bahn. Er wirkt entspannt, trotz des Höllenlärms, mit dem sich der Bagger durch die Brücke arbeitet. „Alles läuft nach Plan“, sagt er zufrieden, während der Überbau von Innen nach Außen abgebrochen, der Bauschutt zerkleinert und im Baufeld zur Beprobung zwischengelagert wird. „Wir untersuchen einzelne Teile immer wieder nach Schadstoffen, gehen hier sehr genau vor, obwohl schon Probebohrungen im Vorfeld bedenkenlos waren.“

Es geht zügig voran 

Lautstarke Blitzaktion: Die alte Steinbrücke in Zierenberg wurde jetzt abgerissen, um Platz für den neuen Bahntunnel zu schaffen. Foto: Hoffmann

Schnell geht es auch den Gewölbebögen und Mauerwerkspfeilern an den Kragen, nur noch einzelne Stahlträger erinnern an die einstige Brücke, die bis vor kurzem auch Wanderern als Verbindung vom Schrecken- zum Dörnberg gedient hat. „Wanderer bekommen eine Alternativroute ausgeschildert“, erklärt Holzapfel. Die bereits installierte Medienbrücke, die den Bauarbeitern während des Tunnelbaus im nächsten Jahr ein sicheres Überqueren der Gleise ermöglichen soll, sei für Spaziergänger allerdings tabu.

Arbeiten an weiterer Brücke 

Nach Einrichtung der Baustraßen, dem Bau einer Ersatzzufahrt und der Errichtung der futuristisch anmutenden Medienbrücke sei der Rückbau der alten Brücke einer der letzten Schritte hin zur Großbaustelle Eisenbahntunnel. „Aktuell laufen noch Arbeiten an einer weiteren Brücke an der Horkenhäuser Mühle, die für den Verkehr der Baustellenfahrzeuge ertüchtigt werden muss“, so Holzapfel, der mit einer Fertigstellung noch im November rechnet.

Die alte Steinbrücke ist dann längst Geschichte, denn von ihr ist nichts mehr übrig, als die Arbeiter das Gleisbett von den letzten Bruchstücken befreien und der erste Zug wie gewohnt den Eingang zum Eisenbahntunnel in Richtung Fürstenwald passiert.

Drei Fragen: "Baubeginn ist im Juni nächstes Jahr"

Die bauvorbereitenden Maßnahmen sind nun nahezu abgeschlossen. Gibt es ein konkretes Datum für einen Baubeginn des neuen Tunnels und warten bis dahin noch besondere Herausforderungen für Sie? 

Hans-Martin König: Aktuell werden die von den Planungsbüros erstellten Ausschreibungsunterlagen von uns überprüft. Der Baubeginn für den neuen Eisenbahntunnel ist für Juni nächsten Jahres geplant.

Welches werden im nächsten Jahr die ersten Arbeiten sein, die in Sachen Tunnel geplant sind? 

König: Als erstes wird die Baustelle eingerichtet, dann beginnen die Arbeiten an den Voreinschnitten.

Gibt es neue Entwicklungen in Sachen Erdaushub? 

König: Nein, uns sind keine neuen Entwicklungen bekannt, wir werden aber Anfang November mit den Kommunen nochmals Gespräche führen.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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