Paradeplatz-Gewölbe: Keller eines im Siebenjährigen Krieg zerstörten Hauses

Steine erzählen Geschichte

Dr. Andreas Thiedmann

Ziegenhain. Der Keller unter dem Kleinen Paradeplatz belegt Ziegenhainer Stadtgeschichte. In der vergangenen Woche wurde das Gewölbe bei Bauarbeiten gefunden – Anfang dieser Woche sichteten Experten den Raum, der sich den Forschern als nahezu intakt präsentierte.

Die Einschätzung des Bezirksarchäologen Dr. Andreas Thiedmann bestätigt die Vermutung des Arbeitskreis Festung (wir berichteten), dass es sich bei dem Keller um den Teil eines Gebäudes handelt, das bei einer Belagerung während des Siebenjährigen Krieges zerstört wurde.

Die Bauforscher Rainer Nickel und Matthias Kornitzky begutachteten den Raum von der Einbruchstelle an der Landgraf-Philipp-Straße aus. Ihnen zeigte sich ein Sandsteingewölbe mit den Ausmaßen von 4,25 mal sechs Meter mit flachgedrücktem Rundbogen und in den Wänden eingelassenen Lichtnischen. Ein Baustil der laut Kornitzky erst unmittelbar nach dem Mittelalter vorzufinden ist. Der Kellerausrichtung nach könnte darüber ein giebelständiges Bürgerhaus gestanden haben, vermuten die Experten. Das Kellergewölbe insgesamt war für die Bauforscher nicht begehbar, Gegenstände wurden nicht gefunden. Das Gewölbe ist bis circa 1,20 Meter mit Grundwasser gefüllt, darin sichtbar wurde ein Schuttkegel. In der Vergangenheit war vermutlich versucht worden, das Gewölbe vom Eingang von der Westseite aus zuzuschütten.

Das weitere Vorgehen? Die Empfehlung des Bezirksarchäologen Thiedmann deckt sich mit der beiden Bauforscher: Die Fundstelle könnte mit einer Betonplombe gesichert und so für immer bewahrt bleiben.

Zu einer Verzögerung der Bauarbeiten am Paradeplatz kommt es wegen des historischen Fundes nicht. Laut Jürgen Schneider vom Bauamt der Stadt wird diese Stelle bis zum Abklären der weiteren Planung ausgeklammert.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

Kommentare