Regionalmuseum Wolfhager Land

Steinerner Zeuge einer Schlacht: Gedenkkugel Exponat des Monats

+
Historisch: Gedenkkugel an die Belagerung und Beschießung der Stadt Volkmarsen in den Jahren 1475/76 und 1477.

Wolfhagen. „Mit ramme hergeschosse dusse stein“ – das prangt in einer schwer lesbaren altdeutschen Minuskelinschrift auf einer fünf Zentner schweren Steinkugel mit einem Durchmesser von 48 Zentimetern.

Die genaue Inschrift lautet: auf der Steinkugel lautet: „Anno Domini 1468 mit ramme hergeschosse dusse stein“, was laut einer Übersetzungsvariante aus dem Jahre 1961 so viel heißt wie „Mit einer Schleuder hergeschossen dieser Stein“.

Dieses schwergewichtige Stück ist eines der vielen Zufalls- und Ausgrabungsfunde der Abteilung „Burg und Stadt im Mittelalter“ des Regionalmuseums.

Eine weitere Übersetzungsvariante aus dem Jahre 1976 lautet: „Anno Domini 1478 sond einimer geschotted um suchs“ (1478 wurde immer umsonst hergeschossen).

Die Deutung der Inschrift mit der Jahreszahl 1478 passt besser zum historischen Kontext.

Im Rahmen des Streits um die Besetzung des Kölner Erzbischofsstuhls kam es 1474 zu einem Machtkonflikt und einer kriegerischen Auseinandersetzung: Betroffen davon waren große Teile Westfalens und Hessens. Die zum Kölner Kurfürstentum gehörende Stadt Volkmarsen hielt zum eigentlich abgewählten Erzbischof Rupprecht. Sein Rivale, Herrmann von Hessen, bat seinen Bruder, den Landgrafen Heinrich III. von Hessen, um Hilfe.

Belagerung und Beschuss

Als Gegenleistung für militärische Unterstützung verlangte Landgraf Heinrich III. die Übergabe der Stadt Volkmarsen und der Kugelsburg.

Die Stadt und die Burgbesatzung weigerten sich jedoch. Am 23. Mai 1475 begann daher die Belagerung und Beschießung der Stadt sowie der Burg durch hessische Truppen. Während die Burgbesatzung nach schwerer Beschädigung der Burg kapitulierte, leistete die Stadt weiterhin erfolgreich Widerstand.

1478 belagerte der hessische Landgraf erneut die Stadt mit einem großen Heer. Nach 23 Tagen Dauerbeschuss ergab sich schließlich die stark zerstörte Stadt.

Zum Einsatz kamen damals vermutlich sowohl Bliden (Steinschleudern) als auch schwere Steinbüchsen (Pulvergeschütze). Es ist nicht geklärt, ob die gefunden Steinkugel mit einer Blide oder großen Steinbüchse abgeschossen wurde.

Lange Zeit unbeachtet

Die Steinkugel wurde 1839 im Bachbett der Erpe unterhalb der Kugelsburg bei Volkmarsen gefunden.

Vermutlich haben Bürger der Stadt die Steinkugel einst in der Nähe der Erpe gefunden und sie in Erinnerung an die zunächst erfolglose Belagerung und Beschießung der Stadt Volkmarsen im Jahre 1475 und 1477 mit der Denkschrift versehen und am Fundort aufgestellt. Später ist sie dann von Unbekannten in die Erpe gerollt worden. Lange Zeit lag die Steinkugel unbeachtet auf einem Volkmarser Grundstück. Der historische Fund gelangte 1961 in das damalige Kreisheimatmuseum Wolfhagen. (red/mel)

Kontakt: Regionalmuseum Wolfhager Land, 05692/ 99 24 31, www.regionalmuseum-wolfhagerland.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr, am Wochenende 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.

Quelle: HNA

Kommentare