Pilzexperte zeigt die schönsten Exemplare im Kellerwald

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Steinpilze direkt aus dem Kellerwald: Professor Dr. Ewald Langer mit dem Ergebnis des Sammlung auf dem kleinen Pilzausflug.

Bad Zwesten. Professor Dr. Ewald Langer isst am liebsten Steinpilzschnitzel: Aber erst, nachdem er die Pilze selbst im Wald gesammelthat. Er weiß dann genau, dass es sich auch um echte Steinpilze handelt, denn der Bad Zwestener ist Mykologe (Pilzkundler) und lehrt und forscht darüber an der Universität in Kassel.

Er zeigt, wie man Steinpilze sammelt und woran man sie wirklich erkennt.

Schon in der Kindheit suchte er mit seiner Oma Pilze im Wald. Mit echter Leidenschaft stapft der 52-Jährige auch jetzt noch durch das herbstliche Dickicht, im Kellerwald schiebt er die Zweige auseinander und lässt die Blicke über den Laubboden schweifen. Leicht sind sie nicht zu entdecken, auch wenn es dieses Jahr durchaus große Exemplare gibt. Mit ihren bräunlichen Hauben tarnen sie sich zwischen dem Laub.

Sie wachsen dort, wo das Laub dicht, aber trotzdem irgendwie luftig liegt und sich mit kleinen Ästen und altem Holz vermischt. Man findet sie auf keinen Fall auf Gras oder Moos. Und sie brauchen Wärme, lieben den sonnigen Lichteinfall. Oft wachsen sie auch am Wegesrand. Langer identifizert die gefunden Exemplare: Unter dem karamell bis bräunlich-farbenem Hut trägt der Pilz eine pistaziengrüne Schicht. Im Querschnitt ist der Stamm röhrenförmig und am Stiel zeichnet sich ein feines, bräunlich schimmerndes Netz ab, zeigt Langer. „Wenn die Zeit gut ist, dann wachsen die Pilze sehr schnell“, sagte er. Schon in ein bis drei Tagen gibt es neue Exemplare, besonders nach Regentagen, auf die Sonne folgt. Er rät dazu, die kleineren frischen Pilze für den Verzehr zu sammeln. Sie seien knackiger.

Langer schneidet die Stiele an und schaut, ob sie madig sind. Das sollte man, so gut es geht, wegschneiden, im Zweifel den Pilz nicht verzehren. Langer putzt den Pilz direkt im Wald. Die Reste vergräbt er unter dem Laub. Er will nicht, dass sie jemand entdeckt. Der echte Pilzsammler gebe den Ort nicht preis, wo es die schönsten Exemplare gibt, sagt er. Das sei so eine Art Ehrenkodex und stamme vermutlich noch aus der Zeit der Jäger und Sammler, als man wirklich auf Pilze als Nahrung angewiesen war.

Steinpilze stehen unter Naturschutz. Sie dürfen allerdings für den eigenen Bedarf gesammelt werden. Die Rechtssprechung gehe von maximal zwei bis höchstens acht Kilo aus, erklärt er. Steinpilze kann man nicht züchten. Alle werden im Wald gesammelt. Die Ware, die man zurzeit auf den Märkten kaufen kann, stamme oft aus China.

Für die Aufbewahrung rät Langer, die Pilze zu trocknen. Vorsicht sei beim Verzehr von Pilzen immer geboten, selbst der Steinpilz könne bei einigen Menschen Beschwerden verursachen.

Generell rät der Pilzexperte aber dazu, nie Pilze ohne Sachkunde zu sammeln, es könne sehr leicht zu Verwechslungen kommen. Es gebe 6000 Großpilzarten in Deutschland, nur zehn bis 20 Prozent davon seien essbar, viele Pilze sind giftig und könnten tödlich sein. „Ich rate dringend davon ab, Pilze einfach so zu sammeln“, sagte er. Eine Möglichkeit sei es, sich bei Pilzsachverständigen Rat zu holen, zum Beispiel unter der Adresse wwww. dgfm.de

Nach dem ersten richtig starken Frost sei es übrigens mit den Pilzen vorbei, erzählt Langer und flüstert dann dazu: „Bitte verraten Sie die Stelle nicht.“

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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