Landrosinen: 30 Künstler luden zum Rundgang durch 22 offene Ateliers

Stelen erobern den Raum

Klare Formensprache: Skulpturen aus Stein und Holz dominieren im Atelier des Künstler Johannes Schönert. Seit 16 Jahren lebt und arbeitet der gebürtige Dresdener im Frielendorfer Ortsteil Leimsfeld. Fotos:  Rose

Leimsfeld. Der Leimsfelder Künstler Johannes Schönert war am Wochenende einer von 30 Künstlern im Schwalm-Eder, der sein Atelier für Besucher öffnete. Organisiert vom Kulturnetzwerk Landrosinen ließen sich die Künstler in die Karten schauen, erklärten Techniken und Arbeitsweisen.

Skulpturen aus Stein und Holz sowie einige Zeichnungen dominierten das Atelier des gebürtigen Dresdners, der bereits im Alter von 16 mit dem Kunststudium begann. Inspiriert von der Rundung des Körpers, der formvollendeten Position einer Liegenden schuf Schönert etwa die Skulptur einer Frau: „Das ist das Produkt einer frühen Zeichnung, die in einer Bordellpause entstand“, erzählt der 78-Jährige.

„Das Lineare, Klare, hat mich fasziniert.“

Johannes Schönert

Besonders geprägt habe ihn ein Reisestipendium nach Griechenland im Jahre 1962. „Die Stümpfe und Säulen in der Landschaft, die sich dennoch im Raum behaupten können“, sagt er. 1966 habe ihn eine Exkursion nach Spanien geführt, wo er auf den Spuren von Gaudi wandelte. „Danach habe ich mich intensiv mit dem Jugendstil auseinandergesetzt“, erklärt Schönert. „Das Lineare, Klare, hat mich fasziniert.“

Dabei war Johannes Schönert anfangs in seiner künstlerischen Freiheit beschnitten: „Durch die schlanke Menschendarstellung wurde mir vorgeworfen, ich verhöhne Werktätige und wurde bei der Stasi vorgeladen.“

In Dresden habe man im Studium von ihm verlangt, „neue sozialistische Menschen zu bilden“. „Das war nicht mein Ziel“, sagt der 78-Jährige schlicht. Bis heute sei er dankbar, dass er bei der Republikflucht nicht erwischt worden sei.

Besonders gründlich sei er Zeit seines Schaffens im figürlichen Studium gewesen. „Damals wurde sogar die mathematischen Verhältnisse von Proportionen vermittelt. Und zwar streng“, erzählt Schönert.

Seine Stelen bestechen durch klare Formensprache, wieder andere sind aus Ytongstein und mit Gips überarbeitet, auch aus Aluminium oder mit Lasurfarbe geschellackt.

Namen gibt Johannes Schönert seinen Werken nicht: „Ich bilde ja nichts Bekanntes ab“, ist seine Erklärung. Experimentell ist er in seinen Holzarbeiten, für die er keine Sorte bevorzugt. Kantig, doch grazil und von unbenommener Schlichtheit kommen sie daher - und erobern sich den Blick und jeden Raum.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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