Mit dem Stenz nach Afrika: Till Arend aus Altenstädt geht auf die Walz

Der eine geht los, der andere kommt bald an: Für Till Arend (links) aus Altenstädt begann gestern die Zeit als Wandergeselle. Begleitet wird er von dem Österreicher Andreas Rebl, der schon seit zwei Jahren und vier Monaten unterwegs ist. Foto:  Deppe

Altenstädt. Die Augen sind schwer, die Stimme ist weg. Till Arend wirkt alles andere als fit und ausgeruht. Eher müde. Doch in sein heimisches Bett kann er nicht fallen. Denn Altenstädt darf sich der Zimmermann seit gestern nicht mehr nähern. Arend geht auf die Walz.

Mindestens zwei Jahre und einen Tag darf der 23-Jährige seiner Heimat nicht näher als 50 Kilometer kommen. Doch Wehmut verspürt er nach dreitägiger Abschiedsfeier keine. „Über die Bannmeile mache ich mir keine Gedanken“, sagt er, „ich versuche das gar nicht an mich heranzulassen.“

Begleitet wird er von Andreas Rebl. Der Österreicher hat in den vergangenen sechs Wochen in der Zimmerei von Till Arends Vater Reiner in Altenstädt gearbeitet. Dort machen immer wieder Handwerker auf Wanderschaft Station. Rebl ist Arends so genannter Alt-Reisende. Er weist ihn in die Verhaltensweisen eines Wandergesellen ein.

Auf jeden Fall möchte Arend während seiner Zeit als Tippelbruder Deutschland verlassen. „Österreich und Schweiz auf jeden Fall, nach Afrika wäre ein Traum.“ Überall wo er hinkommt, wird er bei Zimmereibetrieben anfragen, ob seine Hilfe benötigt wird. Maximal acht Wochen darf er dann bleiben. Dass er kein Handy mitnehmen darf, findet er nicht schlimm.

„Ist doch schön“, sagt er, „da ist man nicht mehr so abhängig.“ Kontakt zur Familie wird er dennoch telefonisch pflegen und aus seinen Betrieben aus anrufen. Auch Treffen außerhalb der Bannmeile sind möglich. Wann und wie, das entscheidet der Wandergeselle ganz allein. Seine Mutter Claudia ist froh, dass der Abschied so ausgiebig gefeiert wurde. „Da war nicht soviel Zeit zum traurig sein“, sagt sie.

Arends Alt-Reisender Andreas Rebl kennt auch die Unanehmlichkeiten des Wanderns, das auch Tippeln genannt wird: „Manchmal findet man für die Nacht keine Unterkunft und muss dann an der frischen Luft schlafen. Im Sommer völlig ok, im Winter natürlich unangenehm.“

Erstes Ziel der beiden Gesellen wird das Fichtelgebirge sein, wo sie an einem Stammtisch der Gesellenbruderschaft „Freie Vogtländer Deutschlands“ teilnehmen wollen. In diesen Schacht erhofft sich Arend aufgenommen zu werden.

Rund zehn Kilometer werden sie täglich zurücklegen, wenn sie zu Fuß unterwegs sind. Keine leichte Aufgabe, besonders angesichts ihrer Ausrüstung. Denn ihre traditionelle Kluft müssen sie unabhängig vom Wetter immer tragen. „Im Winter zu kalt, im Sommer zu warm“, sagt Rebl. Till Arend hat sich neben Waschzeug und etwas Wechselkleidung auch einen Stein in sein Charlottenburger – kurz Charlie – genanntes Tragetuch gepackt, das neben dem Stenz, einem Wanderstock, zur Ausrüstung gehört. „Ich will es am Anfang nicht zu leicht haben“, sagt er.

Von Lasse Deppe

Quelle: HNA

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