Malteser bieten Kurs zu Palliativmedizin für Angehörige und Pflegekräfte an

Sterben gehört zum Leben

Sie haben Tipps für Angehörige Schwerkranker: Die Krankenschwestern Susanne Schake-Spohr (links) und Kerstin Schnier gehören zum Leitungbsteam des Kurses Palliativmedizin, den der Malteser-Hilfsdienst in Fritzlar anbietet. Foto: Mangold

Fritzlar. Wer einen schwerstkranken Angehörigen betreut und pflegt, erlebt eine immense Belastung. Zum Einsatz an sieben Tagen die Woche, 24 Stunden am Tag, kommt oft noch die Unsicherheit im Umgang mit dem Kranken, der seine Wünsche nicht mehr klar äußern kann.

Im Kurs „Gemeinsam Abschied nehmen“ des Malteser Hilfsdienstes (MHD) können pflegende Angehörige und Pflegekräfte mehr Sicherheit im Umgang mit einem schwer kranken Menschen erlernen und sich informieren, was zur Palliativbegleitung dazu gehört.

Kursinhalte sind neben der Pflege auch der Umgang mit Schmerzen, die Kommunikation mit dem Kranken und seinem Umfeld, ethisch-rechtliche Themen wie die Patientenverfügung sowie die Vermittlung von Strategien für Pflegende, um Stress zu bewältigen und das Erlebte zu verarbeiten sowie der Umgang mit der Trauer, wenn ein geliebter Mensch stirbt.

„Sterben gehört zum Leben dazu“, sagte Krankenschwester Susanne Schake-Spohr, die zusammen mit Kolleginnen den Kurs leitet. Früher sei zu Hause geboren und gestorben worden. Was in der Vergangenheit selbstverständlich war, sei es in unserer Zeit nicht mehr. Zwar wünschten sich auch heute noch etwa 90 Prozent der Menschen, zu Hause zu sterben, doch tatsächlich sterben rund 80 Prozent in Einrichtungen wie Krankenhaus und Pflegeheim.

Die Gründe sind vielfältig: Viele wollten ihren Angehörigen nicht zur Last fallen, meinte Schake-Spohr. Die meisten hätten auch Angst, etwas falsch zu machen bei der Betreuung, erklärt ihre Kollegin Kerstin Schnier. „Viele brauchen einfach Mut“, meinte sie. Und Mut möchten die beiden Krankenschwestern den Kursteilnehmern machen, in dem sie informieren und Strategien aufzeigen, um mit der Pflege zu Hause besser zurecht zu kommen und Entlastung zu finden.

„Niemand muss Schmerzen leiden.“

Kerstin Schnier

In Rollenspielen üben die Teilnehmer, mittels non-verbaler Kommunikation, also ohne Worte mit einem Schwerstkranken umzugehen. Der Kurs habe sie sensibilisiert, auf die Wünsche eines Sterbenden zu achten, denn das gehe im Pflegealltag oft unter, wenn der kranke Mensch sich nicht mehr richtig äußern könne, sagte Pflegehelferin Helena Breida, die sich im Kurs fortbildete.

Ein wichtiges Thema sei auch der Umgang mit Schmerzen, bei dem die Ärzte hinzugezogen werden sollten. „Niemand muss Schmerzen leiden“, sagte Schnier. Es gebe ausreichend Medikamente gegen Schmerzen, und eine Morphin-Abhängigkeit beispielsweise spiele bei einem sterbenden Mensch keine Rolle.

Eine Patientenverfügung sollte jeder griffbereit haben, damit die Ärzte und Angehörigen über die Wünsche des Patienten informiert werden können.

Außerdem wird im Kurs die Mundpflege geübt, denn wenn Schwerstkranke kaum noch Nahrung zu sich nehmen können, haben sie viel Durst, erklärte Schake-Spohr. Die Teilnehmer lernen, wie man den Mund des Patienten befeuchten. Viele würden die frische Kühle von gefrorenen Ananasstückchen mögen, aber auch Eiswürfel aus Sekt seien häufig willkommen.

Der Sterbende sei immer derjenige, der bestimmt, meinte die Krankenschwester. Und manchmal reiche es auch aus, daneben zu sitzen und einfach da zu sein. Auch der Umgang mit dem Tod werde angesprochen: Wenn der Patient stirbt, würden viele Angehörige hektisch werden und wollten sofort alles regeln. Aber dann sei Hektik nicht mehr nötig, wichtiger sei es, sich Zeit zum Abschied zu nehmen.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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