Etwa 75 Selbstanzeigen im Schwalm-Eder-Kreis im Jahr 2010

Steuersünder zahlten Millionen Euro nach

Schwalm-Eder. Etwa 75 Selbstanzeigen von Steuersündern hat es im Jahr 2010 im Schwalm-Eder-Kreis gegeben. Etliche Millionen Euro flossen als Mehrsteuer, also zusätzliche Steuer, in den Topf des Landes. Die genauen Zahlen für den Landkreis ließen sich nicht verifizieren, heißt es von der Oberfinanzdirektion Frankfurt auf HNA-Anfrage.

Die öffentliche Diskussion über den Ankauf mit Bankdaten aus der Schweiz habe diese Welle von Selbstanzeigen ausgelöst, sagt Manuela Kiwus, Sprecherin der Oberfinanzdirektion. Für den Finanzamtsbezirk Kassel-Hofgeismar waren es im Jahr 2010 insgesamt sogar mehr als 100 Millionen Euro, die als Mehrsteuer fällig wurden. 778 Menschen hatten sich selbst angezeigt, 2009 waren es 23.

Wie viel Geld tatsächlich am Fiskus vorbei auf Schweizer Konten geflossen ist, lasse sich nur schwer sagen, sagt Kiwus. Aber das Kapitalvermögen belaufe sich wohl auf mehrere Hundert Millionen Euro. Die meisten Steuersünder zeigen sich selbst an, um straffrei auszugehen.

 Dies sei eine Besonderheit im deutschen Steuerstrafrecht, sagt Dr. Anke Klose, stellvertretende Leiterin des Finanzamts im Schwalm-Eder-Kreis. Diese strafbefreiende Selbstanzeige ermöglicht es dem Täter unter Umständen auch nach einer Steuerstraftat straffrei auszugehen.

„Üblicherweise melden sich die Steuerberater bei uns“, sagt Armin Naumann, Chef des Finanzamts. Es heiße dann, dass Mandant xy aus Versehen vergessen habe, Erträge aus ausländischen Kapitalanlagen zu versteuern, klärt Naumann auf. Derjenige werde dann mit zwölf Prozent Hinterziehungszinsen neu veranlagt. Wenn er diesen neuen Steuerbescheid innerhalb von vier Wochen zahlt, geht er straffrei aus. Aber nur dann. Verzögere sich die Rückzahlung, drohe eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren wegen Steuerhinterziehung, sagt Anke Klose.

Hintergrund: 210 Mitarbeiter im Finanzamt

Die Selbstanzeigen werden in der Bußgeldstelle des Kasseler Finanzamtes bearbeitet. Sie werden aber nach dem Wohnort registriert. Das heißt, die Steuersünder sind privat oder mit ihrem Unternehmen ansässig im Schwalm-Eder-Kreis. Das Finanzamt des Landkreises ist verteilt auf drei Standorte.

Diese sind mit den jeweiligen Mitarbeiterzahlen: Fritzlar (125), Melsungen (40) sowie Schwalmstadt (42). In der neuen HNA-Serie "Von Menschen und Finanzen" werfen wir erstmals in Hessen einen Blick hinter die Kulissen einer Finanzbehörde. Auf der kommenden Seite stellen wir diesmal den Telefonischen Finanz- und Informationsservice TE-FIS vor. (ddd)

Mehr lesen Sie in der Mittwochsausgabe der Fritzlar-Homberger Allgemeinen.

Quelle: HNA

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