29 stumme Zeitzeugen

Stiftung Museum Fritzlar erwarb Gemälde mit Fritzlar Motiven

Das größte Bild der Ausstellung: Ein unbekannter Künstler malte um 1900 dieses Ölbild auf eine 1,43 Meter x 91 Zentimeter große Leinwand. Zu sehen ist auf dem Bild, das Alfons Brüggemeier hält, Fritzlar von Süden mit neuer Steinmühle. Die am rechten Rand des Bildes zu sehende Steinmühle brannte 1911 nach einer Mehlstaubexplosion aus und wurde vernichtet. Im Mittelteil des Bildes, oberhalb der Eder erkennt man die einstige Wasserheilanstalt. Dort steht heute die Grundschule.

Fritzlar. Sie schweigen und sprechen doch eine deutliche Sprache. Denn sie sind so etwas wie Zeitzeugen: 29 Bilder aus dem Nachlass des einstigen Museumsverwalters Egon Schaberick hat die Stiftung Museum Fritzlar jetzt erworben.

Ölgemälde, Bleistiftzeichnungen, Grafiken und mehr sind darunter. „Da denkt man in Fritzlar ist vieles schon so alt, aber tatsächlich hat sich jede Menge in der Stadt verändert“, sagt Alfons Brüggemeier. Er ist der Vorsitzende und Schatzmeister der Stiftung.

Über 30 Jahre habe Schaberick Bilder gesammelt und die meisten von ihnen hatten eines gemeinsam, sie zeigen Fritzlarer Ansichten und geben auch besondere Einblicke. So zum Beispiel ein kleineres Ölgemälde vom Aufgang zum Martinschor im Dom. Gemalt hat es Carl Horn im August 1893. Zu sehen ist unter anderem ein barocker Altar, der entfernt wurde sowie der sogenannte Lettner – Sandsteine, die den Hauptraum vom Chorraum trennten. „Dieses Bild sieht so einfach aus, ist aber ein Schätzchen“, sagt Brüggemeier.

Besonderes Schätzchen

Ein etwas anderes Schätzchen ist die Bleistiftzeichnung eines unbekannten Künstlers aus dem Jahr 1828 vom Haddamartor. „Beim Öffnen des Rahmens wurde entdeckt, dass das Blatt doppelseitig bemalt wurde. Auf der Rückseite ist eine weitere Zeichnung des Tores“, erklärt Brüggemeier und lacht. Besonders häufig sind jedoch Stadtansichten in der neuen Sammlung enthalten. Eine, die Fritzlar aus der Entfernung zeigt, ist ein Ölgemälde von der Hellenwarte mit Fliehhof. Es ist ein großes, in einer reizvollen Abendstimmung gemaltes Bild von Karl Oenecke und entstand um 1912.

Eines der ältesten Gemälde stammt aus dem Jahr 1803 – ein Ölgemälde vom Bleichenturm mit Turm am Bad und Dom von Wilhelm Fischer. „Der Bleichenturm hat noch seine alte Dacheindeckung, die bei der Sanierung 1987 erneuert wurde. Und am Dom ist noch die alte Gendarmerie zu sehen und das Dach des barocken Gebäudes vor der Dechanei“ Beides gibt es heute nicht mehr.

Der Ort verändert sich

„So verändert sich eben alles und die Bilder zeigen es uns“, sagt Brüggemeier nachdenklich und froh zugleich. „Es ist wichtig, dass wir diese Bilder erwerben konnten, andernfalls wäre die Sammlung in alle Himmelsrichtungen verstreut worden“, erklärt er. Die 29 Bilder sollen im Herbst inventarisiert werden und beim Advent in den Höfen zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Die Bilder passen gut in das Konzept des Museums, davon ist Alfons Brüggemeier überzeugt. Er betont, dass vor allem die Stadtgeschichte künftig einen größeren Stellenwert erhalten solle und die Bilder aus dem Schaberick-Nachlass sollen dabei auch eine Rolle spielen – als stille Zeugen der Zeitgeschichte.

Das größte Bild der Ausstellung: Ein unbekannter Künstler malte um 1900 dieses Ölbild auf eine 1,43 Meter x 91 Zentimeter große Leinwand. Zu sehen ist auf dem Bild, das Alfons Brüggemeier hält, Fritzlar von Süden mit neuer Steinmühle. Die am rechten Rand des Bildes zu sehende Steinmühle brannte 1911 nach einer Mehlstaubexplosion aus und wurde vernichtet. Im Mittelteil des Bildes, oberhalb der Eder erkennt man die einstige Wasserheilanstalt. Dort steht heute die Grundschule.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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