Die Häftlinge der Justizvollzugsanstalt in Ziegenhain feierten die Adventszeit

Stille Nacht hinter Mauern

Verbringt sein siebtes Weihnachtsfest hinter Gittern: Wilhelm S. erinnern die Feier und besonders der Gesang an seine Kinder.

Schwalmstadt. Als der Gesang des Fritzlarer Domchors langsam verklingt, ist Wilhelm S. deutlich ergriffen. Die Musik erinnert ihn an all die Dinge, die für ihn unerreichbar sind – seine Kinder, beide leidenschaftliche Musiker, und die gemeinsame Besuche der Kirche. Stattdessen sitzt der 66-Jährige mit etwa 30 Mithäftlingen in der Kapelle der Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt bei der Weihnachtsfeier.

Trotz Keksen, Musik, Predigt, Weihnachtsbaum und halbem Hahn ist die Adventszeit für viele Gefängnisinsassen eine Zeit, in der die Einsamkeit besonders spüren ist. Seelsorger Peter Kittel, der mit Kollege Michael Kullinat die Weihnachtsfeier organisierte, erklärt, dass die Wochenenden und Feiertage im Gefängnis ganz anders sind als in Freiheit. Die Häftlinge seien in dieser Zeit besonders lange eingeschlossen. In den Zellen dürften die Häftlinge nur spärlich mit Dingen wie einer Kerze dekorieren, die im Januar wieder eingesammelt wird. Geschenke gibt es keine. Während für die Menschen draußen, Abende und Wochenenden im Advent die Zeit bieten die weihnachtliche Stimmung zu genießen, seien in der Haftanstalt die Lichter aus, ergänzt Kollege Kullinat. Die Weihnachtsfeier sei eine Abwechselung im monotonen Alltag.

Mit Gästen wie dem Domchor werde die Stimmung besser. Eigentlich versuche man immer bei solchen Anlässen ein Stück kulturelle Bereicherung von draußen in die Haftsanstalt zu holen, doch leider klappe das nicht immer. Chorleiter Gunther Hehenkamp erklärt, dass nur sehr wenige Mitglieder aufgrund des ungewöhnlichen Auftrittsortes zurückhaltend gewesen wären. Grenzen zu überwinden und Nächstenliebe zu leben, seien schließlich wichtige christliche Botschaften. Am Anfang hätten die Zäune, verschlossen Türen und Tore und das Abtasten bedrückend gewirkt und ein bisschen mulmig sei ihm auch zu Mute gewesen: „Aber ich war positiv überrascht von der ruhigen Atmosphäre hier im Raum“.

Erinnerungen kommen hoch

Die Gefangenen unterhalten leise während der Essens, der Chor wird begeistert beklatscht und manchmal sieht man auch ein Schmunzeln über die Gesichter huschen, etwa als eine amüsante Geschichte verlesen wird, doch Gelächter ist keines zu hören. „Es ist schon hart – richtig hart“, erklärt Dieter L. Den Mann mit amerikanischen Wurzeln erinnert die Weihnachtszeit an den Kitsch und Pomp typisch amerikanischer Weihnachtsfeste seiner Kindheit. „Ich hoffe natürlich, dass ich noch viele Weihnachten draußen verbringen kann“, sagt L. Allerdings dann nicht mehr in Deutschland.

Wilhelm S. hilft sein Glaube durch die lange Haftstrafe, regelmäßig geht er zu den Gottesdiensten in der Kapelle des Gefängnisses. Weihnachtsstimmung herrsche hinter Gittern allerdings „kaum, bis gar nicht“, da stimmt er Dieter L. zu. „Mein Weihnachten ist am 30., dann kommt meine Familie zu Besuch“.

Von Michaela Pflug

Quelle: HNA

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