Serenade im Grashof des Fritzlarer Domes mit Domchor, Schola und Wedding Brass

Stimmen und Stimmung

Bläserensemble: Wedding Brass spielte im Grashof des Fritzlarer Domes. Fotos: Auerbach

Fritzlar. Es war eine Mischung aus Brassmusik und Chorgesang, in der Wedding Brass, Domchor und Choralschola St. Peter einen meist stimmungsvollen, musikalischen Bogen von der Renaissance bis hin zur Moderne schlugen. Die Ensembles begegneten sich am Freitagabend in dem vom Kreuzgang umschlossenen Grashof des St. Petri-Doms in Fritzlar.

Entrückt vom Alltag, wetteiferten die Stimmen mit den Instrumenten. In der Serenade ging es aber nicht um Konkurrenz oder starke Kontraste, sondern um die Verbindung von poetischen Abendliedern und festlicher, instrumentaler Ausdruckskraft.

Aus dem Hintergrund, von weit her schien der feierliche, einstimmige Gesang zu kommen, als Sänger der Choralschola das Ständchen mit dem „Abendhymnus“ vom Kreuzgang aus eröffneten. Zur Begrüßung entfaltete Wedding Brass tänzerische Fanfarenklänge und spielte „La Mourisque“ und zwei weitere Kompositionen des Flamen Tilman Susato aus der Zeit um 1550. Vom Chor folgte Vaughan Williams „Der Abend kommt“ und Rolf Schweizers „Bevor die Sonne sinkt“. Mit sanften und sehnsuchtsvollen Melodien verwandelten die Sänger den Grashof in einen wunderschönen Klangraum. Voller Innigkeit sang der Chor von Nacht, Sonne, Mond und Sternen. Herzberührend die Interpretation von Matthias Claudius’ Schlaflied „Der Mond ist aufgegangen“.

So entstand im Wechsel zwischen dem Spiel der Blechbläser, dem Chor und den Solovorträgen von Christof Krieg und Anna Schaumlöffel eine empfindsame, stimmungsvolle Atmosphäre. Die Zuhörer, darunter nur wenige Kinder, genossen den Zauber der Lieder und den Flair des Abends. Völlig fehl am Platz waren die beiden letzten Stücke, ein Ragtime und ein Medley, gespielt von dem Brass-Ensemble. Diese Musik passte überhaupt nicht zum Charakter des Abends und dem intimen, sakralen Veranstaltungsort.

Gunther Hehenkamp, Leiter Domchor, informierte, dass die Serenade der Auftakt zu den Probeeinheiten des Domchors nach den Sommerferien war. Geplant sei als nächstes Projekt die „Missa C-Dur“ von W.A. Mozart. Neue Sänger seien willkommen.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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