Menschen aus dem Landkreis berichten darüber, wie sie den US-Haushaltsstreit erleben

„Stimmung ist nicht gut“

Geschlossen während des nationalen Not-Halts: Svenja Stehl (rechts) schickte uns dieses Foto von der gesperrten National-Galerie in der US-Hauptstadt Washington. Fotos: privat

Schwalm-Eder. „Ein politisches Schlachtfeld, auf dem alle Beteiligten nur darauf aus zu sein scheinen, sich gegenseitig möglichst viele Wunden zuzufügen, um schließlich in eine Art politischen Wundstarrkrampf zu verfallen“: So beschreibt Friedemann Stübing (54), ehemals Frielendorf-Obergrenzebach, seine Eindrücke von den USA in diesem Herbst.

Für Stübing, der seit vielen Jahren mit seiner Familie in DeKalb, Illinois, zu Hause ist, handelt es sich bei dem Haushaltsstreit um eine „hausgemachte politische Lähmung“, die von einer Radikalisierung des politischen Klimas zeuge. Das ganze Land sei als Geisel genommen worden, um absurde Ziele durchzusetzen. Hintergrund sei, dass die Wähler in den USA entweder uninformiert oder an Fakten nicht sonderlich interessiert seien, es komme zu einer schamlosen Verdrehung von Tatsachen.

Vor diesem Hintergrund kann Friedemann Stübing nicht nachvollziehen, warum Deutsche ihren jüngsten Wahlkampf langweilig gefunden hätten beziehungsweise dass viele Deutsche auf ihr Wahlrecht verzichteten. Immerhin sei die Wahlbeteiligung in Deutschland aber besser als die in den USA, wo sie bei nur 50 Prozent liege.

• Ruth Cruz (28), geb. Fenner, aus Schwalmstadt-Frankenhain lebt seit dem Frühjahr in El Paso Texas, wo ihr Mann bei der US-Army beschäftigt ist. Sie schreibt: „Das einzige was ich persönlich erlebt habe war, dass der Supermarkt in der Kaserne für ca. eine Woche geschlossen war und die zivilen Mitarbeiter Zwangsurlaub nehmen mussten.“ Geschlossen seien auch Nationalparks und Denkmäler. Ruth Cruz: „Die Stimmung ist nicht gut, die Amerikaner haben das Gefühl, dass ihre Regierung nicht gut für sie arbeitet.“ Vielmehr seien die Menschen „enttäuscht und sauer“. Dass so eine öffentliche Haushaltskrise in Deutschland passieren könnte, kann sich Ruth Cruz nicht vorstellen.

• Svenja Stehl (22) aus Fritzlar-Geismar arbeitet derzeit als Au-Pair in Bethesda, Maryland, rund 20 Minuten von Washington D.C. In ihrem Alltag merke sie wenig vom „Shutdown“ (Notabschaltung). Ihre Gasteltern seien glücklicherweise nicht direkt betroffen, da sie nicht für die öffentliche Hand arbeiten. In Washington D.C. sei allerdings vieles gesperrt und geschlossen, zum Beispiel sämtliche Gedenkstätten und alle staatlichen Museen. Sogar „viele Wiesen in der Stadt, auf denen man sonst ein Picknick machen konnte, sind abgesperrt“. Zusammen mit Freundinnen gehe sie gern im Nationalpark Great Falls joggen, „dieser ist, wie alle anderen Nationalparks im Land, gesperrt, die Einfahrten zu den Parks sind mit großen Steinen blockiert“. Befreundete Au-Pair-Kollegen, deren Gasteltern kein Gehalt mehr beziehen, sorgten sich um ihre Bezahlung.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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