Erinnerung wach halten

24 Stolpersteine zum Gedenken an Naumburger Juden werden verlegt

Naumburg. Für jeden Juden, der seinen letzten freiwilligen Wohnsitz in Naumburg hatte und von den Nazis umgebracht wurde einen Stolperstein, darauf hatte sich der Freundeskreis um Karin Albrecht und Christa Meuser nach einer Stadtführung im Oktober 2011 durch Naumburg festgelegt.

Gegen das Vergessen: Gunter Demnig beim Verlegen von Stolpersteinen im September in Fritzlar. Foto:  Archiv

Sie wollten etwas dafür tun, dass die Entrechteten, Geschundenen, Ermordeten in ihrem Heimatort in Erinnerung bleiben. Die Naumburger Gruppe, zu der gut drei Dutzend Leute gehören, entschied sich dafür, sich dem Projekt des Künstlers Gunter Demning anzuschließen. Der Kölner hat mittlerweile in fast 900 Orten Pflastersteine, so genannte Stolpersteine, vor den Häusern platziert, in denen die Juden zuletzt freiwillig wohnten. In die Messingoberfläche eingraviert sind Name und Geburtsdatum sowie Tag der Deportation und – wenn bekannt – das Vernichtungslager.

Seit der Stadtführung haben Albrecht, Meuser und Co. viel recherchiert, ihr Projekt im Magistrat vorgestellt, die Hauseigentümer informiert, vor deren Immobilien in der Altstadt auf städtischen Grund die Steine eingelassen werden sollen, kurz, alles getan, damit die Steine – 20 ergaben die Nachforschungen – verlegt werden konnten.

Demnig bekam die Daten für die Steine und wies in der Antwort darauf hin, dass auch jene einen Stein bekommen sollten, denen die Flucht gelang, die den Holocaust überlebten. „Man will, dass die Familien symbolisch wieder zusammengeführt werden“, sagt Christa Meuser. „Da sind wir ein bisschen in Druck geraten“, ergänzt Karin Albrecht, schließlich stand mit dem 17. März 2014 der Starttermin für das Pflastern schon fest.

Treibende Kräfte: Bei Christa Meuser (links) und Karin Albrecht laufen die Fäden für die Aktion Stolpersteine in Naumburg zusammen. Beide trugen auch die Hauptlast der Recherchearbeiten. Foto:  Norbert Müller

Die beiden Frauen mussten nachlegen und nach Überlebenden forschen. Aus 20 Steinen wurden nun 24, die an sieben Stellen in Naumburg verlegt werden. „Das ganze hat und schon viel Herzblut gekostet. Und auch Adrenalin“, sagt die in Altendorf lebende Karin Albrecht. Wohl auch, weil bei all der breiten Unterstützung von Stadt bis Geschichtsverein einer der sieben Hauseigentümer noch immer bockig gegen das Projekt ist.

Verhindern wird er es nicht können, die Erinnerungssteine werden auf öffentlichem Grund gesetzt – fest mit schnell bindendem Beton verankert.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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