Strafe für Ohrfeige: Gericht verurteilte Polizisten

Fritzlar/Homberg. Weil er eine 27-jährige Frau aus Homberg geohrfeigt hat, verurteilte das Fritzlarer Amtsgericht am Mittwoch einen 57 Jahre alten Polizisten wegen Körperverletzung im Amt zu einer Geldstrafe in Höhe von 2400 Euro.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er die Frau geschlagen habe, billigte ihm aber zu, zuvor provoziert worden zu sein.

Warum jedoch einem erfahrenen Beamten mit 40 Dienstjahren nichts Besseres einfalle, als sich so lange reizen zu lassen, bis er jemanden ohrfeige, fragte sich am Schluss der Verhandlung Richter Christian Beholz. Mit dem Strafmaß von 30 Tagessätzen zu je 80 Euro blieb er unter der Forderung des Staatsanwaltes von 50 Tagessätzen. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Was war passiert? Er sei am 30. Oktober vergangenen Jahres gegen 21.30 Uhr zur Aufnahme eines Unfalls in Homberg gerufen worden, berichtete der angeklagte Polizist. Eine 61-Jährige aus Gudensberg, Mutter der 27-jährigen Hombergerin, sollte danach einen geparkten Pkw mit einem Einkaufswagen beschädigt haben.

Während des Gesprächs auf dem Bürgersteig sei die Tochter dazu gekommen und habe sich über den Lärm beschwert. Sie sei sehr aufgeregt gewesen. Er habe dann ihre Personalien aufnehmen wollen. Die Frau habe sich geweigert, er sei hinter ihr her gegangen und auf den Treppenstufen ausgerutscht.

„Na, wohl auch noch besoffen“, habe die 27-Jährige provozierend zu ihm gesagt. Er habe sie am Handgelenk gepackt und ihr schließlich eine leichte Ohrfeige verpasst – um eine drohende Ohmacht der Frau zu verhindern.

Zunächst sei alles ganz normal verlaufen, meinte dagegen die Klägerin. Sie habe die Bemerkung über mögliche Trunkenheit als Scherz gemeint. Die Ohrfeige sei völlig überraschend gekommen. Im Attest des Homberger Krankenhauses, in das sie später ging, wurden jedoch keinerlei Folgen eines heftigen Schlags ins Gesicht festgestellt.

Weitere Zeugen – ein Polizist und die Fahrerin des beschädigten Autos – berichteten von einer zunehmenden Eskalation der Auseinandersetzung zwischen dem Beklagten und den Frauen. Von der Ohrfeige, die im Flur des Hauses passiert war, hatten beide nichts mitbekommen.

Der Staatsanwalt will die Beleidigungen des Beamten, die von den Frauen ausgingen, weiter verfolgen. Doch den Rechtfertigungsgrund für die Ohrfeige nahm er dem Polizisten nicht ab. Der Verteidiger zweifelte die Glaubwürdigkeit von Mutter und Tochter stark an und überlegt, in Berufung zu gehen.

Quelle: HNA

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