Neue Serie „Freie Fahrt für Radfahrer“ zeigt Gefahrenstellen auf

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Problemzone für Radler: Die Bahnhofstraße – das Bild zeigt die Lindenbergkreuzung – ist sehr schwer zu überqueren, sagt der Fahrradbeauftragte Horst Gießler.

Melsungen. Melsungen muss fahrradfreundlicher werden, findet Horst Gießler. Zwar ist die Bartenwetzerstadt bereits als fahrradfreundlich zertifiziert, aber laut Gießler, der ehrenamtlicher Fahrradbeauftragter und Mitglied der Melsunger Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ist, müssen noch viele Defizite beseitigt werden.

Eine besonders gefährliche Stelle gibt es an der Bahnhofstraße, sagt Gießler. Die Innenstadt sei durch ein Ringsystem breiter Straßen – bestehend unter anderem aus der Bahnhofstraße – von den meisten Wohngebieten abgetrennt, erklärt Gießler. Die Straße stelle eine Barriere für Radfahrer dar. Das Überqueren der Lindenbergkreuzung bezeichnet Gießler als eine unzumutbare Situation.

Dabei ist sie eigentlich eine wichtige Verbindung zwischen Innenstadt und Schulzentrum, Arbeitsplätzen Schwimmbad sowie vielen Wohnhäusern. Gießler fordert deshalb radgerechte Überquerungshilfen, die die Trennwirkung der Straße aufheben. So sollen Einwohner und Touristen schneller, direkter und vor allem sicherer zu ihren Zielen gelangen. Das selbstständige Einordnen in den Verkehr sei viel zu gefährlich.

Der Weg müsse insbesondere für Kinder und ältere Leute angenehmer und sicherer gestaltet werden. „Ich möchte Eltern versprechen können, dass ihr Kind sicher zum Schwimmbad gelangt. Derzeit kann ich das nicht“, kritisiert der Fahrradbeauftragte.

Bereits im Jahr 1996 bemängelten sechs Studenten des Fachbereichs Stadtplanung der Universität Kassel das Ringsystem. Auch Radfahrer hätten sich bei ihm über die unbefriedigende Situation oft beklagt.

Außerdem sollte nach Ansicht Gießlers ein Teil des Fußgängerwegs in der Bahnhofstraße umfunktioniert werden. Derzeit müssen Radler in der Bahnhofstraße teilweise auf der Fahrbahn zwischen den Autos fahren.

Bei der hohen Verkehrsdichte sei das nicht vertretbar, sagt Gießler. Deshalb müsse der Fußgängerweg wieder Radweg werden. Sein Idee ist es, den Bordstein abzusenken und dafür einen Radfahrstreifen einzurichten. Einziges Problem: die Kosten seien dafür sehr hoch.

Die Stadt habe zwar einiges für das Wohl der Fahrradfahrer getan, es dauere aber in Melsungen vieles zu lange. „Wir können nicht warten, bis etwas Schreckliches passiert“, meint der leidenschaftliche Fahrradfahrer.

Von Argumenten wie „Die können doch schieben“ will Gießler nichts hören: „Wir wollen nicht über längere Distanzen schieben, sondern als Verkehrsteilnehmer wahrgenommen werden“, kontert er. Er schöpfe aber nun wieder Hoffnung. Die Zusammenarbeit mit dem neuen Magistrat sei deutlich angenehmer.

Statistiken aus 2011 zeigten laut Gießler, dass während der Hauptsaison täglich 600 Touristen entlang der Fulda fahren – Tendenz steigend.

„Wir wollen nicht über längere Distanzen schieben, sondern als Verkehrsteilnehmer wahrgenommen werden.“

Die Radnutzung könnte sich um das dreifache in Melsungen steigern. Dadurch schaffe die Stadt nicht nur freie Parkplätze sondern auch einen viel geringeren CO²-Ausstoß, da innerorts viele das Rad bevorzugen würden.

Durch die kurzen Wege innerhalb Melsungens sei Radfahren das ökologisch und ökonomisch sinnvollste Verkehrsmittel. Deshalb hätte es eine besondere Förderung verdient, findet Gießler.

Von Lars Becker

Quelle: HNA

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